MAK/GEORG MAYER
"Zinnglasur und Bildkultur"
Majolika-Ausstellung im MAK
Majolika wird die reich bemalte, zinnglasierte Keramik genannt, die es im Italien der Renaissance vom Gebrauchsgegenstand zum Luxusgut gebracht hat. Das Museum für angewandte Kunst in Wien (MAK) besitzt eine einzigartige Majolikensammlung, die bisher als gut gehütetes Geheimnis galt - jetzt wird sie erstmals in großem Umfang in Form einer Ausstellung öffentlich präsentiert. "Zinnglasur und Bildkultur" heißt die Ausstellung, die bis 7. August 2022 gezeigt wird.
6. Mai 2022, 02:00
Kleine Pilgerschalen, reich verzierte Teller, praktische Apothekengefäße oder eine Terrine als Schildkrötenpanzer - die Formen der Majoliken sind vielfältig; gemeinsam ist ihnen eine charakteristische, satte Farbigkeit von wenigen Grundtönen auf opak-weißem Untergrund. Dieser besteht aus einer zarten Zinnschicht, mit der die Keramik überzogen wird.
Rainald Franz, Kustode der MAK-Sammlung Glas und Keramik, erklärt die Technik: "Zuerst wird der Teller oder der Gegenstand geformt, auf der Töpferscheibe oder mit freier Hand, dann gibt es einen ersten Brand mit etwa 1.000 Grad. Und nach diesem Brand wird die Glasur aufgetragen, die den weißen Grundton bringt. In die Glasur hinein wird mit mineralischen Farben gemalt. In einem zweiten Brand wird dann die Verbindung geschaffen zwischen der Glasur und den Farben, die für die Haltbarkeit sorgt."
MAK/GEORG MAYER
Authentische Farbgestaltung
Die Haltbarkeit der gebrannten, mineralischen Farben ermöglicht heute einen authentischen Einblick in den Farbgeschmack der Zeit, denn anders als bei anderen Kunstformen der Renaissance, sind die Majolika-Farben über die Jahrhunderte nicht verblichen. Als Weiterentwicklung einer Keramik-Technik aus dem islamisch geprägten iberischen Raum, wurde Majolika-Geschirr in der Renaissance zu einem Luxus-Gut und verbreitete sich ab dem frühen 16. Jahrhundert bis an die Höfe Nordeuropas.
"Rund um die Höfe herum", weiß der Kurator Rainald Franz, "entwickelten sich die Manufakturen mit Hofkünstlern, wie wir sie heute nennen. Sie fertigten für die lokale Herrschaft sie verherrlichende Stücke an, auch ganze Service, die dann zu Exportprodukten und Luxusprodukten wurden. Bis heute finden sie sich noch in Adligen-Sammlungen."
In der Ausstellung sind Majolika-Teller mit Adelswappen zu sehen, aber auch sogenannte Istoriato-Majoliken mit Illustrationen antiker Sagen, Göttergeschichten oder Bibelszenen. Sie dienten nicht nur als Geschirr, sondern auch als Anregungen fürs Tafelgespräch der humanistisch gebildeten Adeligen.
Motive der Meister
Von den Majolika-Meistern wurden Motive der großen Renaissance-Maler aufgegriffen, etwa aus Kupferstichen zu den Stanzen des Raffael und seiner Schule.im Vatikanpalast: "Motive, die da entwickelt wurden, werden aufgegriffen, frei kombiniert und einzelne Figuren kopiert. In dieser Zeit entwickelten sich eigene Majolika-Maler."
Rund 220 Objekte versammelt die Ausstellung "Zinnglasur und Bildkultur". Sie stammen zum Großteil aus der Sammlung des Museums für angewandte Kunst, die auch die kaiserliche Sammlung der Kunstkammer Ferdinands von Tirol in Ambras und den Nachlass von Franz Ferdinand von Österreich-Este umfasst.
Insgesamt eine hochqualitative Sammlung, die nun erstmals Beachtung findet, wie auch der Gastkurator Timothy Wilson, Professor Emeritus für die Kunst der Renaissance am Balliol College Oxford und führender Majolika-Fachmann, in seiner Grußbotschaft zur Eröffnung darstellt: "Das MAK beherbergt die weltweit bedeutendste Sammlung italienischer Majoliken, die zum großen Teil unerforscht und unveröffentlicht geblieben ist."
Service
MAK - Zinnglasur und Bildkultur - Die Majolikasammlung des MAK im Kontext ihrer Geschichte, 6. April bis 7. August 2022
Gestaltung
- Anna Soucek
