Rosachrom

DORFNER

Radiokolleg | 27 09 2022

Rosachrom

Rosachrom hat tatsächlich nur zwei Singles produziert und ein Mini-Album. Dennoch ist dieses kurzlebige Projekt in die Geschichte der "Schnellen Jahre" eingegangen, die Hochblüte der Wiener New Wave-Szene der frühen achtziger Jahre - nicht zuletzt mit dem legendären Song "Ich möchte bei den Sternen liegen".

Die Band, die bei den Sternen liegen wollten

Das Trio Franz Dorfner, Fred Jakesch und Heiner Pichler traf den unterkühlten und dennoch wuchtig-selbstbewussten Zeitgeist jener Ära punktgenau. Dorfner, Künstlername Fono Dor, war der Mann hinter der Vision Rosachrom, er starb Anfang 2022. Die Musik seiner Band, präzise verzahnt mit den retrofuturistischen Texten Dorfners, repräsentierte eine Kunstfertigkeit, Zerbrechlichkeit und Sensibilität, wie man sie vorher in diesem Land nie zu Gehör bekommen hatte. Gemeinsam mit Acts wie Monoton, Roter Rot/Zyx, Standart Oil, dem Hotel Morphila Orchester samt Peter Weibel oder Molto Brutto formte man die avantgardistische Seite der hiesigen Szene. Beim wesentlichen Szene-Label Schallter erschien 1982 das kurze Album "Außerhalb des Kreises", der androgyn-kargen Schönheit der Songs blieb ein breiter Erfolg versagt. Das Biotop Schallter trocknete rasch aus, 1985 war die Neue Welle endgültig verebbt, Österreich Falco-Land. Die Band trat nur noch sporadisch auf. Der frühe Tod des Komponisten und Produzenten Fred Jakesch 2000 ließ sie komplett verblassen. "Die einzige Austro-Pop-Band, die diesen Namen je verdient hat", resümierte das SRA. "Schwere Melancholie über druckvollen Synthpop-Arrangements; Bowie trifft Pet Shop Boys auf den dunklen Straßen Wiens".
Gestaltung: Thomas Miessgang

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