Jonathan Gerstner

ANDREJ GRILC

Ö1 Talentebörse

Jonathan Gerstner, Violoncello

In Kooperation mit den österreichischen Kunstuniversitäten holt Ö1 junge Künstlertalente Österreichs vor den Vorhang. Für Jonathan Gerstner ist das Cello das perfekte Instrument - ihm fällt nichts ein, was man daran nicht mögen könnte. Dennoch dauert es eine Weile, bis für ihn feststeht, dass er tatsächlich eine Laufbahn als Cellist einschlagen will. Jetzt aber weiß er es. Und: er meditiert gerne.

Was ist Kunst?

Kunst ist für mich das kreative Schaffen von Momenten (in unserem Fall) oder Objekten, die keinen direkt überlebenswichtigen Nutzen haben, außer in die emotionale Welt einer Person einzuladen, zum Denken anzuregen, Perspektiven zu öffnen.

Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Meine Eltern wollten mich mit 5 zum Cello Spielen bringen, das war eine schwierige Aufgabe. Fast 20 Jahre später bin ich aber sehr dankbar für alles, was ich durch die Musik selbst und durch die entstandenen persönlichen und sozialen Erfahrungen gelernt habe.

Kommt Kunst von können, müssen oder wollen?

Für mich ist Kunst etwas Urmenschliches, das, mal rein von den Kapazitäten her, absolut jedem Menschen offensteht. Sie braucht aber Zeit und die ist auch ein Privileg, zum Beispiel ein finanzielles.

Wo würden Sie am liebsten auftreten?

Überall wo liebe Menschen sind. Also überall. Cool finde ich zum Beispiel, die Musik an ungewöhnliche Orte zu bringen, in den Wienerwald, in einen mit Kissen gefüllten Wohlfühlraum, in eine Höhle, in einen Meditationskurs, etc…

Mit wem würden Sie gerne zusammenarbeiten?

Jacob Collier, Yo-Yo Ma, und jede andere lebensfrohe, kreative und offene Persönlichkeit, die mir sonst noch begegnen könnte (oder begegnet ist).

Über Jonathan: spielt Cello am liebsten mit anderen Menschen, findet Umweltbewusstsein cool und Empathie cooler, lebt mit fröhlicher Achtsamkeit und achtsamer Lebensfreude, träumt von Weltfrieden und Brahms-Klavierquartetten, und schreibt leidenschaftlich Stichpunktlisten.

Wie viel Markt verträgt die Kunst?

Letztlich braucht jeder Mensch irgendwie sein Essen und ein Dach über dem Kopf. Je freier und individueller unsere Kunst ist und je mehr wir sie für uns machen (also ohne Anpassung an Erwartungen des Publikums), desto schwieriger kann es werden, davon zu leben. Kunst ist etwas unfassbar Schönes und Magisches und es ist wichtig, dass es weiterhin unterstützt wird. Hierfür ergibt langfristig eine universelle Grundsicherung meiner Meinung nach am meisten Sinn, denn dann öffnet sich die Kunst für jeden einzelnen Menschen.

Wofür würden Sie Ihr letztes Geld ausgeben?

Wenn es für mich sein soll, dann möglichst etwas, das nicht die Unordnung in meinem Zimmer noch weiter ins Wanken bringt. Also gutes Essen (zum Beispiel ein gutes Pain au Chocolat oder schöne geteilte Momente (zum Beispiel ein gutes geteiltes Pain au Chocolat). Wenn mein letztes Geld aber über das für mich Notwendige hinausgeht, dann soll es dazu beitragen, dass andere sich auch gutes Essen leisten können.

Haben Sie einen Plan B?

Es gibt unendlich viele Sachen, die ich noch lernen und entdecken möchte. Vielleicht kommt irgendwann noch ein Studium in Psychologie oder Politikwissenschaften hinzu. Letzteres würde mir besonders in der praktischen Umsetzung, also beispielsweise in der Vereinsarbeit, sehr gut gefallen, ein bisschen wie ich es derzeit als Referent für Nachhaltigkeit und Umwelt bei der Studierendenschaft der mdw mache.

Wann und wo sind Sie das letzte Mal unangenehm aufgefallen?

Mit löchrigen Socken als Cellist bei einem noblen Privatkonzert.

Wollen Sie die Welt verändern?

Jetzt mal ganz spirituell: jeder einzelne Mensch verändert in jeder Minute in irgendeiner Form seine Umgebung. Eigentlich ist es meiner Meinung nach eine Illusion, dass manche Persönlichkeiten die Welt mehr verändern als andere. In diesem Sinne möchte ich weiterhin ein Teil der ewig (sich) verändernden Welt sein, ja.

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