Senta Berger privat
Menschenbild
Die Schauspielerin Senta Berger
Am 13. Mai 1941 wurde Senta Berger in Wien geboren. Gemeinsam mit ihrem Vater, dem Musiker und Komponisten Josef Berger, trat sie bereits im Alter von vier Jahren auf. Der Vater begleitete die singende Tochter am Klavier. Mit 16 Jahren begann Senta Berger ein Schauspielstudium am Wiener Max-Reinhardt-Seminar, als bislang jüngste Studentin der Schauspielschule. Zu ihrem Jahrgang gehörten unter anderem Erika Pluhar und Elisabeth Orth.
5. Mai 2026, 15:45
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Menschenbilder | 10 05 2026
Vor fünf Jahren - Senta Berger war 80 geworden - durfte ich sie in ihrem schönen alten Haus in der Nähe von München besuchen. Wir saßen im hellen Wohnzimmer auf dem Sofa. Es gab Torte und Kaffee - und Senta Berger war in Sorge. Wo war Michael? Mehrmals bat sie bei dem Interview um eine Gesprächspause, um zu telefonieren. Wo war Michael? Gemeint war ihr Mann, der Regisseur Michael Verhoeven, der schon längst zu Hause sein sollte. Er hatte sich zuletzt krank gefühlt, seine Frau war beunruhigt.
Innige Beziehung
Im Mai 2022 saß ich wieder auf dem schon vertrauten Sofa. Es gab Torte und Kaffee - und Michael Verhoeven war in Sorge. Seine Frau lag im Obergeschoß im Bett, eine Grippe hatte sie erwischt. Das Gespräch wurde mehrmals unterbrochen. Tee wurde gekocht und nach oben gebracht. Bei meinen zwei Besuchen im Haus war die besondere Verbundenheit des Ehepaars in jeder Sekunde spürbar.
Im September 1963 hatte die Schauspielerin den damaligen Medizinstudenten Michael Verhoeven kennengelernt. Am 26. September 1966 wurde in München geheiratet, zwei Söhne - Simon und Luca - kamen zur Welt. Beide sind heute ebenfalls im Filmgeschäft tätig.
Bereits 1965 hatten Senta Berger und Michael Verhoeven die Sentana-Filmproduktion gegründet, die bald mit erfolgreichen Produktionen auf sich aufmerksam machen sollte. "Wir haben uns sehr jung getroffen: Michael war 25 und ich 22 Jahre alt", erzählte Senta Berger im Gespräch. "Wir wussten damals noch nicht, dass es eine schicksalhafte Begegnung war. Wir sind gemeinsam erwachsen und nun gemeinsam alt geworden. Gibt es ein schöneres Abenteuer? Liebe lässt sich ohnehin nicht erklären. Im Grunde ist es eine Verschwörung. Mit jemandem zusammen zu sein und zu bleiben ist eine Verschwörung zwischen zwei Menschen."
Ein langer Blick zurück
Das Menschenbild von Senta Berger wurde am 26. Dezember 2021 gesendet, das Porträt von Michael Verhoeven am 22. Mai 2022. Zwei Jahre später starb Michael Verhoeven, Regisseur von unvergessenen Filmen wie u. a. "Die weiße Rose". Nach monatelangem Rückzug nahm Senta Berger wieder eine Filmrolle an. Ihr Sohn Simon Verhoeven verfilmte Joachim Meyerhoffs Bestseller "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke" - und holte seine Mutter wieder vor die Kamera.
Was ist mir in Erinnerung geblieben von unserem Gespräch auf dem Sofa? Ihre Herzlichkeit, ihr direkter Blick, ihre Neugier, auch für die Lebensgeschichte ihres Gegenübers, die vielen Bücher, die in Stapeln auf dem Boden und auf dem Klavier lagen. Und überhaupt, dieses Wohnzimmer mit dem Blick in den Garten. Ein beseelter Raum mit kleinen Statuen und Skulpturen, mit vielen gerahmten Fotografien und weiß schimmernden Muscheln in einer Vitrine. Ein Ort zum Wohlfühlen.
Vor einigen Jahren hat Senta Berger im Verlag Kiepenheuer & Witsch einen Erinnerungsband veröffentlicht. Es trägt den schönen Titel: "Ich habe ja gewusst, dass ich fliegen kann". "Als Kind träumte ich oft, dass ich fliegen könne" ist gleich zu Beginn des Buchs zu lesen. Ehrlicher Nachsatz nach einigen Zeilen: "Schon lange habe ich diesen Traum verloren. Ich sehne mich danach, ihn wiederzufinden."
Internationale Karriere
Die gebürtige Wienerin kann auf eine beeindruckende Karriere zurückblicken, hat in Europa und Hollywood Erfolge gefeiert. Sie drehte u.a. mit Stars wie Kirk Douglas, Charlton Heston, Dean Martin oder John Wayne. Von 1974 bis 1982 ist Berger die umjubelte Buhlschaft in Hugo von Hofmannsthals Jedermann bei den Salzburger Festspielen.
Was geblieben ist in all den Jahren, das ist das Gefühl der Dankbarkeit. "Ich glaube, dass ich ein Glückskind bin" ist an einer Stelle in dem Buch zu lesen. Ein Satz, dem Senta Berger auch im Gespräch - nach kurzem Nachdenken - zustimmt. Am 13. Mai feiert sie ihren 85. Geburtstag.
Text: Heinz Janisch, Autor und langjähriger Redakteur der Ö1 Reihe "Menschenbilder"
