We the People

250 Jahre USA

"Ambiente" begibt sich auf eine historische Spurensuche in Virginia

Auch wenn die Partystimmung auf der Welt durch das Gehabe von US-Präsident Donald Trump aktuell mitunter eher gedämpft ist, steht ein rundes Jubiläum an. Die Vereinigten Staaten von Amerika feiern 250. Geburtstag. Am 4. Juli 1776 wurde von 13 amerikanischen Kolonien die Erklärung zur Unabhängigkeit von Großbritannien verabschiedet. Bereits zuvor hatte der Revolutionary War, der amerikanische Unabhängigkeitskrieg, begonnen. Ein Hintergrund war die Unzufriedenheit in Übersee mit der Besteuerung durch London ohne politisches Mitspracherecht ("No Taxation without Representation"). Die Kolonisten forderten Selbstverwaltung und wehrten sich gegen neue britische Steuern, Zölle und Gesetze. Zudem hatten sie sich nach 170 Jahren Besiedlung in Nordamerika von dem Mutterland schon etwas emanzipiert. Der American War of Independence dauerte von 1775 bis 1783.

"Ambiente" hat sich aus diesem Anlass auf eine historische Spurensuche nach den Wurzeln von Angloamerika gemacht. Im heutigen US-Bundesstaat Virginia siedelten sich Anfang des 17. Jahrhunderts erste britische Siedler dauerhaft an. Daran wird im "Historic Triangle" (Jamestown, Williamsburg und Yorktown) mit zahlreichen (Freilicht-)Museen samt "Zeitzeuginnen" und "Zeitzeugen" in historischen Kostümen erinnert.

Keimzelle Jamestown

1607 errichteten die Auswanderungspioniere nach einer 144 Tage dauernden Überfahrt auf einer sumpfigen Insel im James River eine nach dem damaligen König James I. von England James Fort genannte Festung. Das spätere Jamestown bildete die Keimzelle des Britischen Weltreichs. Die Lebensbedingungen waren hart. Im Zuge von Konflikten mit den nativen Powhatans wurde die Festung 1609/10 belagert. Im Fort gingen die Lebensmittel aus, zum Überleben wurden während der Hungerszeit auch Hunde, Katzen oder Schlangen gegessen.

1619 fand in Jamestown die erste gesetzgebende Versammlung englischer Siedler in der Vorgeschichte der Vereinigten Staaten statt. 1699 wechselte der Regierungssitz in das nahe Williamsburg. Die Überreste der ursprünglichen Siedlung sind heute als James Fort Archaeological Site Teil des Colonial National Historical Park. Lang wurde geglaubt, der James River habe sie über die Jahrhunderte weggespült. Der Archäologe Bill Kelso fand aber 1994 die unter der Erde erhalten gebliebenen Reste der einstigen Palisaden. Seither wurden über vier Millionen Objekte, vor allem Alltagsgegenstände wie Krüge, Werkzeuge, Schlosspistolen oder Essensreste, ans Tageslicht befördert.

Williamsburg

In dem knapp acht Meilen entfernten Williamsburg wiederum lassen Soldaten in alten Uniformen ihre Musketen krachen, inmitten von historischen Gebäuden, die vordringlich auf John D. Rockefeller Jr. zurückgehen. Der familienbedingt schwerreiche Philanthrop ließ die Stadt ab 1926 in ihre koloniale Blütezeit zurückversetzen. Zu den wichtigen Gebäuden im altenglischen Kolonialstil zählt das Haus des Juristen George Wythe: 1781, während des Unabhängigkeitskriegs, diente es George Washington als Hauptquartier für die Schlacht von Yorktown. Sie brachte den entscheidenden Sieg der amerikanisch-französischen Truppen über die britische Armee. Deren Niederlage führte zur Kapitulation der Briten generell und ebnete den Weg zur 1783 erfolgten Anerkennung der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten.

Daran wird unter anderem im American Revolution Museum am Yorktown Battlefield erinnert. In einer zweiten Sendung werden der Revolutionary War, seine Ursachen und die bis heute nachwirkenden gesellschaftlichen Folgen erörtert. Etwa im Museum of History & Culture in Richmond, der aktuellen Hauptstadt von Virginia. In dem Museum werden auch unangenehme Aspekte angesprochen, etwa wie die Siedler die Native Americans ihres Bodens beraubten. Oder der schändliche Umgang mit den eingeschleppten Afrikanerinnen und Afrikanern, die versklavt wurden.

Sklaverei trotz Gleichheit aller

Da machten auch George Washington, Thomas Jefferson und James Madison keine Ausnahme. Washington war Oberbefehlshaber der Kontinentalarmee. Jefferson gilt als Hauptautor der Unabhängigkeitserklärung und Madison ist wegen der Ausarbeitung der US-Verfassung als "Father of the Constitution" bekannt. Zudem handelt es sich um den ersten, dritten und vierten Präsidenten der USA. In Virginia können die Landsitze dieser Gründungsväter der Vereinigten Staaten von Amerika besucht werden: Mount Vernon, Monticello und Montpelier. Trotz der von ihnen propagierten Bill of Rights, die ja die Gleichheit aller Bürger:innen und ihre Freiheit versprach, gab keiner die Sklaverei auf.

Diese lange Zeit ungelöste Streitfrage war auch ein Auslöser des Civil War, des Sezessionskriegs (1861–1865), zwischen den Nord- und Südstaaten. Dass der Umgang mit der schwarzen Bevölkerung die amerikanische Gesellschaft noch immer beschäftigt, kommt auch zur Sprache, wenn der Bürgerrechtsaktivist sowie TV- und Talkradio-Moderator Gary L. Flowers in Richmond auf seiner Tour "Walking the Ward" an ehemaligen Auktionshäusern vorbeiführt, wo seinerzeit afroamerikanische Sklav:innen zum Verkauf angeboten wurden …

Gestaltung

  • Edgar Schütz