Der österreichische Schriftsteller Peter Rosei.

Peter Rosei - APA/ROBERT JAEGER

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Der Autor Peter Rosei wird 80

"Entwurf für eine Welt ohne Menschen" hieß 1974 eines seiner ersten Bücher. Kürzlich erschien eine Neuausgabe, gepriesen als "Wiederentdeckung von beklemmender Aktualität". Sein jüngster Roman kam vor wenigen Wochen heraus. Er heißt "Unsterbliche Seelen". Am 17. Juni begeht der Wiener Erzähler, Lyriker, Essayist und Hörspielautor Peter Rosei seinen 80. Geburtstag.

Man sollte alles mit der linken Hand anfangen, man sollte sich nicht zu leicht beeindrucken lassen, man sollte alles nicht so schwernehmen. Sehr brauchbarere Ratschläge waren es, die Peter Rosei da von seiner Großmutter bekommen hat.

Am 17. Juni wird der Schriftsteller Peter Rosei 80 und heute noch ist die Großmutter für ihn der Mensch, von dem er am meisten gelernt hat. Wie man einen Apfel schält, wie man sich die Schuhe zubindet und wie man das Leben lebt.

Jus-Studium und Sekretär bei Ernst Fuchs

Peter Rosei wurde am 17. Juni 1946 als Sohn eines Eisenbahnbeamten und einer Geschäftsfrau in Wien geboren. Er besuchte das Gymnasium, bestand die Matura mit Auszeichnung und studierte in seiner Heimatstadt in nur viereinhalb Jahren Rechtswissenschaften - während dieser Zeit versuchte er sich auch an seinem ersten Roman. Drei Wochen nach der Promotion im Jahr 1968 heiratete Rosei, kurz darauf musste er einrücken. In den neun Monaten beim Militär überlegte er, was er aus seinem Leben machen solle - doch natürlich sei bei seinen Überlegungen nichts herausgekommen, behauptet Rosei in seinem "Lebenslauf".

Doch die zwei Jahre, die er nach dem Militär als Sekretär beim Maler Ernst Fuchs verbrachte, hätten ihn sehr geprägt. "Ich verdanke ihm, dass ich die Gesellschaft wirklich kennengelernt habe, was mir bei meinen Romanen bis heute nützt, um eine gesellschaftliche Totalität zu erreichen", erinnerte er sich einmal in einem "Falter"-Interview. "Kreisky, Schwarzenberg, Batliner, Mautner-Markhof, das waren die Kunden. Ich hatte mir die Kunst als etwas Hehres vorgestellt. In den zwei Jahren habe ich gelernt, dass das ein brutaler Markt ist." In seiner 2023 erschienenen Autobiografie "Das wunderbare Leben" (Untertitel: "Wahrheit und Dichtung") nimmt er ausführlich auf diese Zeit Bezug.

Debüt 1972 mit "Landstriche"

1972 gab er seine Stelle als Geschäftsführer eines Verlags auf und wurde freier Schriftsteller. Im selben Jahr erschien sein Debüt, der Erzählband "Landstriche", in dem brutale Einzelgänger plündernd und mordend durch unwirtliche Gegenden ziehen. 1973 kam das Buch "Bei schwebendem Verfahren" heraus. Die frühe Prosa Roseis - Parabeln in der Tradition Kafkas - ist von lähmender Hoffnungslosigkeit dominiert. In "Entwurf für eine Welt ohne Menschen" schildert der Autor seine Vision eines selbstvergessenen Schauens, bei dem sich der Beobachter während der Betrachtung auflöst. Um das Thema Identität kreisen auch die Aufzeichnungen des Ich-Erzählers in dem Roman "Wer war Edgar Allan" (1977), der durch Michael Haneke verfilmt wurde.

Peter Rosei

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Die Gesellschaft und das Geld

In dem Roman "Das große Töten" ließ er 2009 zwei unscheinbare Lebensgeschichten in einen Amoklauf münden. Wer das Buch nach dem Massaker auf der norwegischen Ferieninsel Utöya las, dem kam das Gruseln. "Damals hat sich kein Mensch dafür interessiert", sagte Rosei später. Er habe auch schon 2006 in "Briefe aus Amerika" darauf hingewiesen, dass sich eine größere Wirtschaftskrise anbahne.

"Normalerweise beschäftigt sich ein Dichter ja nicht mit Geld. Mir war aber immer klar, dass ich die Gesellschaft nicht verstehen kann, wenn ich die ökonomische Folie nicht mit bedenke", so Rosei einmal in einem APA-Interview. In dem Roman "Geld!" (2011) schilderte er die Vorgeschichte des großen Knalls als Gesellschaftsroman und beschrieb, wie in einer Zeit des grenzenlosen Vertrauens in die Macht des Marktes die Gier Einzug hielt.

In "Madame Stern" (2013) gab er ein Sittenbild aus unheilvollen Verflechtungen von Wirtschaft, Kultur und Politik, Aufstiegswillen und Absturzgefahr, in "Die Globalisten" (2014) ließ er verkrachte Literaten, dümmliche Finanziers und dunkle Hintermänner an einem geheimnisvollen Filmprojekt arbeiten. Sein personen- und schauplatzreicher Roman "Karst" (2018) spielte in Italien, Slowenien, Ungarn, der Slowakei und Österreich, "Die große Straße" (2019) versammelte Aufzeichnungen des passionierten Reisenden, dessen Vorlass 2010 und 2025 durch die Wienbibliothek im Rathaus erworben wurde.

"Ich möchte wissen, was hier vorgeht"

Über 50 Bücher hat Peter Rosei veröffentlicht - und zahlreiche Auszeichnungen dafür erhalten. Darunter befinden sich der Rauriser Literaturpreis (1973), der Anton-Wildgans-Preis (2000) und das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse (2007) und das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik (2016). Bei der Überreichung des Goldenen Verdienstzeichens des Landes Wien (2007) rühmte Kurt Neumann Roseis "Kühnheit einer illusionslosen Erkenntnisarbeit" und die präzise Beobachtungsgabe, mit der dieser "unaufgeregte und fundierte makroökonomische wie gesellschaftliche Analysen" vorlege.

Genau das sei aber auch der Grund, warum seinen Büchern nie Bestseller-Status beschieden sei, glaubt Rosei: "Ich schreibe keine Literatur-Literatur. Ich möchte wissen, was hier vorgeht", so der Autor einmal zur APA. "Jemand, der sich hauptsächlich damit beschäftigt, die Verfasstheiten darzustellen, in denen sich die Leute befinden, stößt nicht auf viel Gegenliebe. Die meisten Leute ziehen es lieber vor, das nicht so genau zu wissen."

"Aus den Krisen wollte ich nichts lernen"

"Mein Leben war ein Streben nach Einsichten, von Rückschlägen und wiederkehrenden Krisen geprägt. Die Einsichten ließ ich jeweils rasch hinter mir, aus den Krisen wollte ich nichts lernen, konnte es wohl auch nicht", schrieb Rosei in "Das wunderbare Leben". "Auffällig, dass es im Lauf meines Lebens so gut wie nie zu einem Versuch kam, dieses Leben zu deuten."

Auch in seinem bisher letzten Roman "Unsterbliche Seelen" widmet er sich zwischen Wien und Tokio, Fidschi und Chicago einigen Biografien, die er miteinander verknüpft, ohne Schlussfolgerungen zu ziehen. Rosei schildert Umstände, weitet Perspektiven, aber er belehrt nicht. Das Weiterdenken überlässt er denen, die seine Bücher lesen.

Text: apa/red