Anna-Theresa Lallitsch

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Frauen im Sportjournalismus

Zwischen Anpfiff und Anfeindung

Fußball gilt als die schönste Nebensache der Welt – doch für Frauen, die darüber berichten, ist der Platz am Mikrofon bis heute umkämpft. Wer Spiele kommentiert, Sportressorts leitet oder über Athletinnen schreibt, muss sich oft nicht nur fachlicher Kritik stellen. Auch die Sportlerinnen selbst spüren den tiefsitzenden Sexismus der Gesellschaft – vor allem im Netz.

Anna-Theresa Lallitsch ist eine Pionierin. 2019 hat sie als erste Frau im österreichischen Fernsehen ein Fußballspiel kommentiert. Aktuell ist sie wieder im Einsatz – bei der Fußball-Weltmeisterschaft der Herren. "Wir sind immer noch weit davon entfernt, dass es normal ist, als Frau Fußball zu kommentieren", sagt Lallitsch. Angefangen hat die Steirerin als Sprecherin für das Stadionradio von Sturm Graz. Später kommentierte sie im Zweikanalton Fußballspiele für blinde und sehbehinderte Menschen. Ihre Vorbildfunktion sei ihr erst mit der Zeit bewusst geworden, so Lallitsch. Sie spricht von Verantwortung. Sie versuche, so unangreifbar wie möglich zu sein. "So gut es geht. Jeder macht Fehler."

Wer kommentiert, wird kommentiert

Gerade eingefleischte Fußballfans sind bei Fehlern bekanntermaßen erbarmungslos – bei allen Kommentatoren, bei Frauen jedoch noch einmal mehr, sagt auch ORF-Sportchefin Veronika Dragon-Berger. "Es ist schwierig, Frauen zu finden, die kommentieren, weil sie gerade im Bereich des Fußballs einer wahrscheinlich höheren öffentlichen Aufmerksamkeit ausgesetzt sind als sonst", so Dragon-Berger. Ein Schicksal, von dem auch die langjährige ZDF-Kommentatorin Claudia Neumann ein Lied singen kann. Im Netz entlädt sich seit Jahren ein misogyner Shitstorm über die Journalistin. Frauen, die in die männerdominierte Fußballwelt eindringen, stoßen auf heftigen Widerstand und Ablehnung.

Wenn Kompetenz nicht genügt

Während beim ORF Sport viele Frauen vor und hinter der Kamera arbeiten, sitzen in den Sportressorts der Zeitungen noch immer fast ausschließlich Männer. Ausgerechnet das Fußballmagazin "ballesterer" hat seit zwei Jahren eine Chefredakteurin. Nicole Selmer ist eher zufällig in den Sportjournalismus geraten, nachdem die Literaturwissenschafterin ein Buch über die Fankultur von Frauen geschrieben hatte.

Trotz jahrelanger Erfahrung ist Selmer in ihrem Arbeitsalltag immer wieder mit Vorurteilen und Klischees konfrontiert. "Deswegen sage ich auch: Die Einzige zu sein, ist nicht so toll. Ich finde das nicht angenehm. Ich wäre gerne eine von vielen", so Selmer. Als Chefredakteurin sei es ihr deshalb ein Anliegen, den Frauenanteil beim "ballesterer" zu erhöhen. Das Heft arbeitet viel mit freien Autorinnen und Autoren, doch Artikelvorschläge von Frauen kommen laut Selmer nach wie vor selten.

Anna-Theresa Lallitsch

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Profi-Athletinnen sind keine "Mädels"

Es gibt auch sprachlichen Nachholbedarf. ORF-Kommentatorin Lallitsch vermeidet bewusst Begriffe wie "Mädels", die Profi-Athletinnen immer noch zugeschrieben werden. "Ein Mädel ist für mich ein kleines Kind, das Fußball spielt. Aber das österreichische Nationalteam ist für mich so weit weg von kleinen Mädchen", sagt Lallitsch. Trivialisierungen in der Berichterstattung treffen laut einer Studie des Telekom- und Medien-Regulierungsbehörde RTR vor allem Frauen. Ihre Leistungen werden kleiner, schwächer oder unseriöser dargestellt. Eine Schlagzeile der "Kronen Zeitung" lautete etwa: "Frauen-EURO: Sie beweisen, dass sie keine Divas mehr sind." Der hart erarbeitete WM-Erfolg der Skispringerin Eva Pinkelnig wurde im "Standard" zum "Sammlerinnenglück".

Weniger Sexualisierungen als früher

Sexualisierungen von Sportlerinnen in der Medien-Berichterstattung haben laut RTR-Studie insgesamt abgenommen. Dennoch wird ihre Attraktivität immer wieder thematisiert. Dadurch werden sie zum hübschen Beiwerk oder bloßen optischen Aufputz degradiert.

Frauenhass und Sexismus sind in der Gesellschaft tief verankert – auch abseits klassischer Medien. Ex-Skirennläuferin Nicola Werdenigg kennt das aus eigener Erfahrung. Als sie mit 17 Jahren Vierte bei den Olympischen Spielen wurde, habe sie Schmähbriefe mit "Beschimpfungen, die gegen das Frausein" gerichtet waren, erhalten. Mit den digitalen Medien hätten Hasskommentare jedoch eine neue Dimension erreicht, sagt Werdenigg. Als Beispiel nennt sie Ski-Superstar Lindsey Vonn, die im Internet immer wieder beleidigt und sexualisiert werde. "Als Frau, die auf Athletinnen-Rechte schaut, geht mir das durch und durch."

Sexistische Auswüchse im Netz

Gerade in männerdominierten Sportarten finden sich unter Internet-Postings über Sportlerinnen unzählige beleidigende Kommentare. Laut einer Umfrage des SWR erleben 40 Prozent der Profisportlerinnen auf ihren eigenen Social-Media-Kanälen Sexismus. ORF-Sportkommentatorin Anna-Theresa Lallitsch ist bisher weitgehend verschont geblieben. Aber auch sie weiß: Es gibt Menschen, die nur auf Fehler warten.

Lallitschs Devise: "Es ist in Ordnung, inhaltliches Feedback zu geben und Kritik zu üben." Diese sollte jedoch fundiert sein. "Nicht einfach nur Dinge raushauen, die jeglicher Grundlage zwischenmenschlicher Kommunikation entbehren." Das gelte auch für den digitalen Stammtisch, wenn es um die schönste Nebensache der Welt geht.

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