Gianni Infantino

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FIFA, Infantino, Trump - und wie Medien damit umgehen

Die dunkle Seite der Fußballmacht

Schikanen gegen Spieler, Schiedsrichter und Fans bei der Einreise in die USA unter Donald Trump sind Tatsache, aber mit Beginn der Spiele ist die Kritik daran abgeflaut. Der umstrittene FIFA-Boss Gianni Infantino wird – Korruptionsaffären, Deals mit Diktatoren und Schiebung bei WM-Vergaben hin oder her - von den Verbänden auf Händen getragen. Fühlen sich Sport-Journalisten und -Journalistinnen zu wenig zuständig? Fehlen die Ressourcen für tiefere Recherchen? Oder haben wir vor dem Milliarden-Business Weltfußball kapituliert?

Mehr als zwei Milliarden Dollar hat US-Präsident Donald Trump im Vorjahr eingenommen, das hat er dem Büro für Regierungsethik gemeldet. In dem mehr als 900 Seiten starken Bericht sind auch teure Geschenke an den US-Präsidenten aufgelistet, darunter zehn Karten für das Finale der laufenden Männer-Fußball-Weltmeisterschaft am 19. Juli im New York New Jersey Stadium im Wert von 15.000 Dollar.

"Demokratie-verachtende Brüder im Geiste"

Bekommen hat sie Trump von FIFA-Boss Gianni Infantino, der ihm auch schon einen dubiosen Friedenspreis verliehen hat. Der Politologe Peter Filzmaier: "Trump und Infantino sind Brüder im Geiste, aber nicht im positiven Sinne. Sie teilen ihre Vorliebe für Geld. Und sie teilen auch ihre Geringschätzung von Demokratie, von Menschenrechten und auch von Medienfreiheit." Infantino gibt keine Einzelinterviews, Trump verachtet die Medien, bedroht sie oder lässt sie kaufen.

Zu kritisch sind ihm die Berichte über sich, etwa als Schikanen für Spieler und Fans bei der Einreise in die USA ruchbar geworden sind. Das Nationalteam von Iran, mit dem die USA immer noch im Krieg sind, durfte nur zu den Spielen einfliegen und nicht auf US-Boden übernachten.

Kritik an Schikanen der US-Behörden verstummt

Doch die Kritik an all dem ist nicht mehr sehr laut. Filzmaier: "Der pauschale Ausschluss von Menschen aus dem Iran, aus Haiti ist Tatsache in den USA. Und es wird willkürlich entschieden, wer von den Spielern rein darf oder wer vielleicht doch nicht beim nächsten Spiel. Und all das wird kaum berichtet." Und die FIFA spiele mit und sage, damit habe man nichts zu tun. "Obwohl die FIFA, und zwar erstmals überhaupt, direkt - nicht etwa ein nationales Organisationskomitee - Veranstalter ist."

Für die Chefredakteurin des Fußballmagazins "ballesterer", Nicole Selmer, ein bekanntes Muster. "Da merkt man das Phänomen, dass die Kritik deutlich nachlässt, sobald die Spiele anfangen." Ein Grund dafür sei auch, dass es keine Razzien der Einwanderungsbehörde ICE gebe, sagt Martin Schauhuber, er ist für den "Standard" drüben und berichtet von der WM. "Das war ja auch ein großes Thema im Vorfeld, da gab es auch Streikdrohungen von Stadionarbeitern. Da ist der Staat jetzt scheinbar doch intelligent genug, nicht zu übergriffig zu sein." Wenn Donald Trump dann seine gratis Final-Karten einlöst, werde man hören, ob und wie sehr der Volkszorn kocht, so Schauhuber.

Politische Seite auch Thema in Sport-Talks

Die politische Seite des Weltfußballs war lange komplett ausgeblendet, das sei besser geworden, sagt Peter Filzmaier. "Wenn ich in Sportsendungen eingeladen werde, auch außerhalb des ORF, beispielsweise bei Servus TV, dann ist dort nicht mehr das Diskussionsniveau wie vielleicht vor 20 Jahren - Geil, die Fußballspiele beginnen! - sondern es ist schon so, dass auch Fragen gestellt werden um das politische Rundherum."

Und dieses Rundherum personifiziert sich in Gianni Infantino. Der FIFA-Boss ist mit Diktatoren und dubiosen Machthabern, wie sie hinter etwa zwei Drittel der weltweit 211 Mitgliedsverbände stehen, verhabert und das hat einen Grund. Die Geldmaschine FIFA soll gut geölt bleiben. Filzmaier: "Weil das für die Durchführung der Veranstaltungen so bequem ist."

Bequeme Deals mit Diktatoren und Machthabern

Denn wenn man die Machthaber auf seiner Seite habe, wie bei den Weltmeisterschaften in Russland und Katar, also in nicht demokratischen Ländern, so Filzmaier, "dann muss ich mich um so lästige Dinge wie: Gibt es vielleicht eine Volksabstimmung über die Veranstaltung? Oder müssen Umweltauflagen erfüllt werden bei Großbauprojekten rund um die WM? Damit muss ich mich dann nicht beschäftigen." Das gilt zum Beispiel auch für Saudi-Arabien, das die WM 2034 ausrichten wird.

Die nationalen Verbände in demokratischen Staaten wie Österreich stecken den Kopf in den Sand. ÖFB-Aufsichtsratsvorsitzender Josef Pröll sagte in einer ZIB-Wissen-Sendung, die sich vorbildlich mit der dunklen Seite der WM auseinandergesetzt hat, über Infantino: "Ich halte ihn trotzdem für den richtigen Mann in dieser herausfordernden Zeit." Würde er ihn auch unterstützen, damit er nächstes Jahr wiedergewählt wird? "Wir werden das dann sehen. Aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass wir auf ihn setzen, weil er auch die richtigen Dinge durchaus tut, auch wenn das eine oder andere zu korrigieren ist", so Pröll.

Die große Abstumpfung - auch bei den Medien

Gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen. Die Geschäftsinteressen scheinen einfach alles zu überlagern. Nicole Selmer vom Ballesterer: "Mit Blick auf die FIFA habe ich sehr stark den Eindruck, dass es da eine sehr große Abstumpfung inzwischen gibt. Dass diese vielen, vielen Skandale der FIFA inzwischen helfen, dass man sagt: Na, da kann man nix machen, und das ist halt so, und das verpufft irgendwie."

Das gilt leider auch für sehr viele Medien. Einmal abgesehen von der "Süddeutschen Zeitung", die eine Sportredaktion mit - laut Impressum - unglaublichen 24 Redakteuren und Redakteurinnen hat und bei FIFA & Infantino seit Jahren am Ball ist. Martin Schauhuber vom "Standard" erzählt: "Ich werde nie vergessen: Ich war allein in Katar, und da waren wir außer der "Krone" die einzige österreichische Zeitung, die länger als eine Woche dort war. Und die" Süddeutsche Zeitung" war mit acht Personen vor Ort. Es ist dann doch relativ schwierig, den selben Output zu schaffen." Und gerade Katar sei ja eine WM gewesen, wo sehr viel Nebengeräusche waren, wo es sehr viel um Menschenrechte ging.

Fehlende Ressourcen sind auch billige Ausrede

Also sind es die Ressourcen? Nein, das könne auch eine billige Ausrede sein, räumt Schauhuber ein. "Wenn man dann die vierzehnte Geschichte über die Schuhgröße von einem ÖFB-Stürmer schreiben kann, wäre sich vielleicht doch auch eine über die Korruption der FIFA ausgegangen."

Beim "Standard" sei Sportpolitik immer schon ein wichtiger Teil der Berichterstattung gewesen, so Schauhuber. "Und wir haben auch das Glück, dass wir Leser haben, die das tatsächlich dann auch liest. Und das hört man halt von Kollegen in anderen Medien manchmal, dass man da schon was dazu schreiben kann - aber dann klickt halt keiner drauf."

Zug zum Tor, aber kein Zug zur Sportpolitik

Wie erlebt Martin Schauhuber seine Kollegen und Kolleginnen von den anderen Medien, interessiert die das Thema FIFA und Infantino? Ja, sagt er, da gebe es sogar Spezialisten, wo man sie nie vermuten würde. "Es gibt aber genug Kollegen und Kolleginnen, die auch einfach sagen Ich bin im Sportressort, ich möchte über Sport schreiben, ich möchte darüber schreiben, wie XY den Ball ins Tor schießt und warum das so ist. Und jetzt nicht unbedingt über diese ganzen, oft ja doch auch sehr komplizierten Vorgänge im Hintergrund."

ORF-Sportchefin Veronika Dragon-Berger weist auf die Dimensionen von Großveranstaltungen wie der laufenden Weltmeisterschaft hin. "Eine XXL WM, muss man sagen, mit 104 Spielen. Aber selbstverständlich ist es die journalistische Pflicht, alle Aspekte auch von der Vergabe der Großereignisse zu beleuchten." Und so ganz zuständig fühlt sich der Sport dann doch nicht. Man habe aber im ORF zum Glück die Korrespondentinnen und Korrespondenten, die das "vor Ort einordnen können", sagt Dragon-Berger.

Die politische Symbolik auf Feld und Tribüne

Nur ganz Wenige würden heute angesichts der Lage im Weltfußball noch behaupten, dass Sport unpolitisch sei, sagt der Politikwissenschafter Peter Filzmaier. Aber es fehlten immer noch die elementarsten Verweise auf politische Bildung, die politische Symbolik sei ja unübersehbar: "Wenn hier National-Mannschaften spielen, in National-Trikots mit dem Staatswappen gekleidet, wenn vor jedem Spiel National-Hymnen gespielt und National-Flaggen auf den Tribünen geschwenkt werden, dann muss man das doch auch thematisieren."

Politiker tun das. Auf ihre jeweils eigene Weise. Sportminister Andreas Babler etwa hat nach seinem Besuch im Teamcamp der Männer in Santa Barbara konsequent von Spieler-Innen gesprochen. Bundespräsident Alexander Van der Bellen nannte den Very Lucky Punch von Saša Kalajdžić in allerletzter Sekunde gegen Algerien ernsthaft einen "eleganten Aufstieg in die K.O.-Runde". Und der deutsche Kanzler Friedrich Merz hat nach dem kläglichen Ausscheiden der Nationalelf gegen Paraguay gepostet: "Was für ein Spiel, wir sind stolz auf euch." Der Spott war Merz sicher.

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