ORF/JOSEPH SCHIMMER
Hörspiel
Schnitzler als Drama mit Musik
Arthur Schnitzlers Reigen als Ö1 Hörspiel mit Regina Fritsch, Sven-Eric Bechtolf und der Musicbanda Franui.
10. Juli 2026, 12:05
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Ö1 Hörspiel | 11 07 26
Mit dem Schauspieler und Regisseur Sven-Eric Bechtolf verbindet uns eine langjährige Freundschaft. Wir lernten uns 2005 bei unserem ersten Auftritt im Rahmen eines international bekannten Festivals kennen: Bei der Ruhrtriennale realisierten wir gemeinsam ein Singspiel mit dem Titel Steine und Herzen. Das war eine aufregende neue Erfahrung, wir spielten in einer riesigen Industriehalle vor einem künstlichen Berg, mussten zig Solisten und Chorsänger begleiten und dirigieren.
Vor allem bedeutete es aber auch: sechs Wochen Duisburg. So lang dauerte unser Singspiel von der ersten Probe bis zur Dernière. Und wir hatten so viel Zeit zwischen den Proben und den Aufführungen! Viele Projekte entstanden in diesen Pausengesprächen, einige beschäftigen uns bis heute. Eine Idee lautete: Wir müssten die zehn Szenen aus Schnitzlers Reigen als einen Abend gestalten, an dem eine Schauspielerin und ein Schauspieler alle zehn Charaktere lesen und immer dann, wenn es zum Beischlaf kommt - dort wo Schnitzler lapidar nur drei Striche macht -, sollte die Musik spielen.
Bis der Plan umgesetzt wurde, zogen einige Jahre ins Land. In Regina Fritsch fanden wir eine virtuose Mitstreiterin, die Premiere fand am 24. April 2019 im Wiener Konzerthaus statt, es folgten Aufführungen im Burgtheater, bei den Bregenzer Festspielen und den Tiroler Festspielen Erl und einigen weiteren Festivals.
Jede Szene ein neues musikalisches Milieu
Da hatten wir nun also Schnitzlers Reigen als „Drama mit Musik“: Gemeinsam mit Regina und Sven tauchen wir von Franui mit unserer merkwürdigen Klangbatterie aus Holz- und Blechbläsern, Streichern und Volksmusik-Saiteninstrumenten in jeder der zehn Szenen in ein neues musikalisches Milieu ein: Das Hausmädchen aus Böhmen geht mit Gustav Mahler Hand in Hand, im Chambre séparée klimpert Erik Satie, die Ausführungen des Dichters begleiten Klänge von John Cage, im ehelichen Schlafzimmer weht zur Erinnerung an die italienische Hochzeitsreise eine Arie von Giuseppe Verdi heran. Und wie gesagt: Immer dort, wo Schnitzler nur – – – hinschreibt, gibt es viel Platz für Musik.
Franui
INGO PERTRAMER
Ein Abend zwischen allen Stühlen
Die unfassbar vieldeutigen Sätze Schnitzlers treffen auf unsere Musik, die oft von Melodien oder Motiven großer Komponisten ausgeht und mit ihnen weiterspielt. Auch unsere wichtigste künstlerische Absicht ist die Vielseitigkeit: Die Musik soll in jedem Augenblick viele Gedanken und Gefühle zugleich ausdrücken können. Sie geht immerfort neue Verbindungen mit den Schnitzler‘schen Dialogen ein. Auf zwölf Stühlen sitzen und spielen wir Musiker:innen und die beiden Schauspieler:innen, wobei ein Abend zwischen allen Stühlen entsteht und obendrein ein eigenes Format: kein „klassisches Hörspiel“, kein reines Konzert, schon gar keine Lesung, auch keine Theateraufführung. Wie schön, dass es diese Arbeit nun als einzigartiges Dokument in der Ö1 Hörspielreihe gibt!
Text: Andreas Schett, Musiker und Mitglied der Musicbanda Franui
