Heinz Fischer im Studio

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Gedanken

Kindertage - Eine Ö1 Sommerserie

Die frühen Lebensjahre prägen die meisten Menschen und doch werden sie später nur selten erwähnt.

"Über Kindheit wird außerhalb autobiografischer Romane medial wenig berichtet", konstatiert Frido Hütter. Der langjährige Leiter des Ressorts Kultur und Medien der "Kleinen Zeitung" trat mit der Idee an Ö1 heran, die Kindheit prominenter Persönlichkeiten in den Mittelpunkt zu stellen. An den fünf Sonntagen im August wird dieses Konzept nun in der Sendereihe "Gedanken" umgesetzt, jeweils um 9.05 Uhr.

Heinz Fischer

Am 2. August gesteht der frühere Bundespräsident Heinz Fischer, dass er kein besonders braves Kind war. "Eine Sache hat mir meine Mutter besonders übelgenommen", erzählt der heute 87-Jährige. "Wir wohnten damals in Hietzing, im zweiten Stock eines Hauses mit Balkon, wo die Wäsche zum Trocknen auf einer Leine aufgehängt wurde.

Eines Tages, als meine Mutter einkaufen war, überredete ich unsere junge Haushaltshilfe, mich mit dieser Leine vom Balkon abzuseilen. Unten angekommen, wollte sie mich wieder hochziehen, doch auf halber Höhe verließen sie ihre Kräfte. In dem Moment bog meine Mutter um die Ecke und sah ihren Sohn an einem Strick vom Balkon baumeln. Vor Schreck ließ sie ihre Einkaufstasche fallen und rannte hinauf, um mich sicher herunterzubringen. Danach gab es ein Donnerwetter, wie ich es vorher und nachher nie wieder erlebt habe."

Erika Pluhar

Eine andere Kindheitsszene führt am 9. August nach Oberösterreich: In einem Holzhaus in Pfaffstätt hatten Erika Pluhar und ihre Familie Zuflucht vor den Bombenangriffen in Wien gefunden. Im Gasthaus der kleinen oberösterreichischen Gemeinde erlebte die spätere Schauspielerin, Sängerin und Schriftstellerin ein prägendes Kinoerlebnis.

Erika Pluhar

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Der Film "Krambambuli" erschütterte Erika so sehr, dass ihre Mutter sie aus dem Saal bringen musste. Deren Erklärung - "Das ist doch alles nur erfunden" - wurde für Erika Pluhar zur Schlüsselerfahrung: zur Entdeckung des Unterschieds zwischen realer Angst und der erfundenen Welt der Kunst.

Hubert von Goisern

Wie prägend solche frühen Einsichten sein können, unterstreicht auch Hubert von Goisern am 16. August. Seine Kindheitserinnerungen erzählen von Neugier, Mut und dem Reiz des Fremden, Eigenschaften, die später auch seine Musik bestimmen sollten.

Hubert von Goisern

KONRAD FERSTERER

1952 in Bad Goisern als Hubert Achleitner geboren, wollte er schon als Fünfjähriger Dirigent werden. Zeitgleich entdeckte er den Wald neben seinem Elternhaus als Spieloase für sich. "Ich war schon immer ein Draufgänger. Schon als Bub machte ich mir daraus eine Mutprobe, nachts durch das finstere Dickicht zu streifen. Anfangs pfiff ich noch ängstlich vor mich hin, doch bald ging ich mutigen Schrittes im Mondschein und erforschte diese Zauberwelt."

Heide Schmidt

Kindheit kann Abenteuer bedeuten, aber auch Haltung stiften. Bei Heide Schmidt entstand sie in einem Haushalt, in dem Frauen selbstverständlich das Zentrum bildeten. "Für mich war von klein auf klar, dass Frauen ihren Weg auch ohne männliche Unterstützung gehen können", sagt die Politikerin.

Heide Schmidt

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Die ehemalige Dritte Nationalratspräsidentin - zum ersten Mal wurde mit ihr dieses Amt von einer Frau bekleidet - und eine der markantesten liberalen Stimmen der österreichischen Politik verbrachte ihre Kindheit mit Großmutter, Mutter und älterer Schwester. "Konfliktfrei war das nicht", räumt sie am 23. August ein, "ich habe mit meiner Mutter viel diskutiert - wobei das fast schon euphemistisch klingt. Wir haben schlicht gestritten, und das, fürchte ich, nicht besonders konstruktiv. Aber aus diesem ständigen Zanken ist auch meine Streitfähigkeit entstanden. Meine Schwester hat sich solchen Auseinandersetzungen immer entzogen. Inzwischen sind wir beide alt, und ich glaube, ich kann streiten - sie nicht. Faszinierend, wie sich manche Lebenslinien ohne Bruch fortsetzen."

Tobias Moretti

Kindheitserinnerungen hängen oft an Gerüchen: an Speisen, Kleidern, Sommerwiesen, Schulhäusern oder dem Zuhause von damals. Auch der Schauspieler Tobias Moretti erinnert sich am 30. August an vertraute Düfte:

Foto: Tobias Moretti

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"Der älteste Geruch ist für mich der von Geborgenheit: nach Mama, Holz und Familie - und, weil ich die meiste Zeit draußen war, auch ein bisschen nach Dreck und Benzin. Dazu kommen Düfte, die es heute kaum noch gibt: bestimmte Wäschezusätze etwa oder das Hausmittel meiner Mutter, mit dem sie uns vier Brüder einrieb, wenn wir krank waren. Gefühlt waren wir danach sofort wieder gesund."