Grafik: Ein Mann von einer Euromünze begraben

DYNAMO WIEN/FLORIAN JUNGWIRTH

Gehört

Das Ö1 Magazin im Juni

Die stärksten Seiten von Ö1 gehören "gehört", dem monatlich erscheinenden Ö1 Magazin. Neben einer ausführlichen Übersicht über das komplette Radioprogramm des kommenden Monats finden Sie hier interessante Reportagen und Hintergrundberichte über das Programm und seine Gestalter und Gestalterinnen. Das Ö1 Magazin steht exklusiv Ö1 Club-Mitgliedern zur Verfügung.

Das Radio will gar nicht von sich behaupten, das aktuelle Leitmedium zu sein. Man freut sich aber, wenn im Feuilleton eine "Renaissance des Hörens" ausgerufen wird, oder eine aktuelle Studie eine positive Grundstimmung beim Hören von "Audio" konstatiert. Radio und Audio sind doch als Zwillinge familiär verbunden. Wenn dann auch noch im Kontext des Podcast-Booms und der Flut an Smartphone-Sprachnachrichten vom Siegeszug einer neuen Mündlichkeit die Rede ist und ein revolutionärer Wandel unserer Kommunikation verkündet wird, ist es an der Zeit, hellhörig zu werden. Folgt auf den Siegeszug der (Bewegt-)Bilder als Gegenbewegung ein "Oral Turn"? Einfacher gesagt: eine neue Lust am Sprechen und Zuhören?

Dass hier menschliche Bedürfnisse und technologische Innovationen Hand in Hand gehen, ist einer Bemerkung des KI-Forschers Wolfgang Wahlster zu entnehmen, der in der Radiokolleg-Serie über "Datenpunkte im Informationszeitalter" gemeint hat, künstliche Intelligenz werde das gesprochene Wort noch mehr in den Mittelpunkt rücken. Durch Geräte, mit denen wir reden und die uns zuhören. Und umgekehrt. Die nächste Digitalisierungswelle mit neuen Sprachassistenten wird sich jedenfalls noch mehr dem gesprochenen Wort zuwenden. Befreit von Maus und Tastatur kündigt sich eine "orale" Gesellschaft an. Mit gesprochener Sprache, die sich auch digital archivieren lässt, kann man mehr Information transportieren als mit der Schrift. Auch wenn das Schriftliche deshalb nicht verschwinden wird, wäre das vielleicht wirklich eine revolutionäre Wendung. Dass aber auch ohne künstliche Intelligenz wunderbare Wechselwirkungen im Sprechen und Zuhören erzeugt werden können, hat der Soziologe Hartmut Rosa mit seinem Resonanzbegriff auf den Punkt gebracht. Was er über Lesen und Leben sagt, lässt sich auch auf akustische Begegnungen im Radio anwenden: "Beides sind zuallererst Resonanzphänomene. Ihre Essenz besteht aus einem lebendigen, dynamischen Wechselspiel von Hören und Antworten. Oder Vernehmen und Entgegengehen."

Die Dichtung ist bekanntlich ein besonderer "Resonanzraum". Auf unvergleichliche Weise hat das H. C. Artmann vorgeführt, dem wir in diesem Monat eine facettenreiche Hommage zu seinem 100. Geburtstag widmen. Ein polyfoner, sprachakrobatischer Dichter, dessen (Mundart-)Lyrik nicht nur ein Zeitdokument ist, sondern der auch als Stimme eine lebendige "Sprach-Figur" bleibt. Die Verbindung von "Artmann pur" und Vertonungen seiner Texte, die wir zum Jubiläum zu einer CD der Edition Ö1 zusammengestellt haben, zeigt auch im Nachhören, wie viele Resonanzen darin zu finden sind.

Martin Bernhofer
Ö1 Programmchef

Informationen

  • Erscheinungsweise: 13 x p.a.
  • Direktversand an Ö1 Club-Mitglieder
  • Auflage: 57.000 Stück
  • Format: 208 x 289 mm
  • Druck: 4-farbig
  • Seitenanzahl: 60 Seiten
  • Chefredaktion: Robert Heis