Silhouette eines Mannes vor elektrischer Entladung

DYNAMO WIEN/FLORIAN JUNGWIRTH

Gehört

Das Ö1 Magazin im September

Die stärksten Seiten von Ö1 gehören "gehört", dem monatlich erscheinenden Ö1 Magazin. Neben einer ausführlichen Übersicht über das komplette Radioprogramm des kommenden Monats finden Sie hier interessante Reportagen und Hintergrundberichte über das Programm und seine Gestalter und Gestalterinnen. Das Ö1 Magazin steht exklusiv Ö1 Club-Mitgliedern zur Verfügung.

Der Schriftsteller Ian McEwan definierte Science Fiction als Geschichten von Leuten, "die mit zehnfacher Lichtgeschwindigkeit in Anti-Schwerkraft-Stiefeln unterwegs sind". Seinen eigenen Roman Maschinen wie ich über die emotionalen Verstrickungen eines Paares mit seinem Roboter Adam als Mitbewohner und Sexspielzeug wollte er aber nicht diesem Genre zugeordnet wissen. Was zwar kokett, aber nachvollziehbar ist, spielt seine wissenschaftlich plausible Vision der gemeinsamen Zukunft von Mensch und Maschine doch in einem sehr realistisch anmutenden Paralleluniversum unserer Gegenwart und Vergangenheit.

Es ist gut dokumentiert, wie sehr literarische und filmische Zukunftsvisionen viele Wissenschafter/innen inspiriert und wissenschaftliche Durchbrüche vorangetrieben haben. Zahlreiche Technologien – von Satelliten über die Robotik bis zur Mobilkommunikation und selbstfahrenden Autos – sind in der Science Fiction modellhaft vorweggenommen worden. Die wissenschaftsbasierte Fiktion als Innovationstreiber und Erkenntnisinstrument gewinnt gegenwärtig sogar noch an Bedeutung. Ob in der theoretischen Designforschung, bei der Erkundung neuer Formen der Mensch-Computer-Interaktion, dem "Umbau" und der Optimierung des menschlichen Körpers durch Implantate oder im Kontext digitaler Visionen eines Weiterlebens nach dem Tod: Science Fiction kann dabei helfen, die Optionen und Auswirkungen neuer Technologien auch in der Gegenwart besser zu verstehen. Sie ist experimentelles Modell und "Prototyping".

Das gilt aber nicht nur für das Menschenbild und die Technikforschung. In der Coronapandemie wurden wir mit einer Gegenwart konfrontiert, die wie ein Zukunftsroman erschien. Oder wie es Kim Stanley Robinson, Autor einer erfolgreichen Mars-Trilogie, angesichts ausgestorben wirkender Städte formulierte: "Science Fiction ist der Realismus unserer Zeit." Auch die Schrecken der dystopischen "Climate Fiction" sind gar nicht so fiktional, ihre Vorboten sind bereits da. Die Vorhersagen können zur Vorbereitung auf die Zukunft dienen, als Generalprobe für künftige Herausforderungen. Aber auch dazu, zu verhindern, was sie beschreiben. Mit den "Science Fiction"-Tagen auf Ö1 wollen wir dazu einige Denkanstöße geben, natürlich eingedenk des großen Futurologen Stanisław Lem und seines 100. Geburtstags. Die Formel "Wissenschaft plus Fiktion" hilft dabei, nicht nur alternative Zukünfte auszumalen, sondern uns auch die Frage zu stellen, wo wir hinwollen.

Martin Bernhofer
Ö1 Programmchef

Informationen

  • Erscheinungsweise: 13 x p.a.
  • Direktversand an Ö1 Club-Mitglieder
  • Auflage: 57.000 Stück
  • Format: 208 x 289 mm
  • Druck: 4-farbig
  • Seitenanzahl: 60 Seiten
  • Chefredaktion: Robert Heis