Bücherstapel

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Kontext

Sachbücher und Themen

Von den Krisenherden dieser Welt über Entdeckungen der Neurowissenschaften bis zu den schönen Künsten. "Kontext" bietet Orientierungsservice im Sachbuch-Dschungel. Reportagen, Diskussionen, Rezensionen, Studiogespräche, Hintergrundberichte zu spannenden Büchern über Zeitgeschichte, Wirtschaft und Wissenschaft. Und ab und zu darf auch gelacht werden.

Alex Rühle: "Europa, wo bist du?"

Wie denken Europäer über Europa? Welche Hoffnungen und Erwartungen haben sie, welche geplatzten Illusionen? Welche Geschichte und Geschichten prägen diesen - wie der Autor sagt - "aufgewühlten" Kontinent? Neugierig und mit vielen Fragen im Gepäck, hat sich Alex Rühle, Kulturreporter bei der Süddeutschen Zeitung, im Frühjahr auf die Reise gemacht. Herausgekommen ist ein anregendes, spannend zu lesendes und zugleich persönliches Buch.

Alex Rühle, "Europa, wo bist du? - Unterwegs in einem aufgewühlten Kontinent", dtv

Wolfgang Seibel

Orlando Figes: "Eine Geschichte Russlands"

Orlando Figes, Professor am Birkbeck College in London, ist Historiker mit Russland-Schwerpunkt. Seine Karriere begann mit einer monumentalen Geschichte des russischen Bürgerkrieges, die derzeit beste auf Deutsch greifbare russische Kulturgeschichte ist sein Buch "Nataschas Tanz" ist. In "Die Flüsterer" ging es um die Schwierigkeit, über die Stalinzeit zu sprechen. Figes verfasste auch eine Geschichte des Krimkriegs. Im Vergleich zu diesen monumentalen Untersuchungen nimmt sich sein aktuelles Werk "Eine Geschichte Russlands" geradezu schlank aus: Auf 400 Seiten erzählt er in zehn Kapiteln die russische Geschichte bis hin zu - wie der Historiker sagt - Putins "unnötigem Krieg" gegen die Ukraine.

Orlando Figes, "Eine Geschichte Russlands", übersetzt von Norbert Juraschitz, Klett-Cotta

Erich Klein

Herfried Münkler: "Die Zukunft der Demokratie"

Unsere Demokratie erscheint verholzt, viele Entscheidungen benötigen zu viel Zeit. Dazu kommen große Herausforderungen wie der Klimawandel. Kann dem eine Politik, die nur auf das nächste Wahlergebnis ausgerichtet ist, wirklich etwas entgegensetzen? Dazu kommen Populisten, die die Unzufriedenheit der Menschen und ihre Anfälligkeit für komplexitätsreduzierende Verschwörungserzählungen ausnützen und ein autoritäres China, das Wirtschaftswachstum ohne Demokratie schafft. Unsere Demokratie hat nur dann eine Zukunft, wenn sich die Bürger und Bürgerinnen stärker an ihr beteiligen, beginnend mit der Lokalpolitik, ist der Politologe Herfried Münkler überzeugt.

Herfried Münkler, "Die Zukunft der Demokratie", Brandstätter

Studiogespräch: Wolfgang Ritschl

Der Mythos vom unpolitischen Fußball

Fußball ist vieles, nur nicht unpolitisch. Klaus-Dieter Stork und Jonas Wollenhaupt. beleuchten den "Volkssport Nummer Eins" von der Antike bis heute. Ihnen gehe es um das "Verdrängte, Verborgene und Vergessene des politischen Fußballs", schreiben die Autoren. Und derlei gibt es viel. Dabei dribbeln sie nicht nur durch sämtliche zeitliche wie politische Gefilde, sie erobern auch das fußballerische Vokabular für sich. Diese Verspieltheit zieht sich durch - vom Vorwort bis zum Nachwort - hier natürlich Aufstellung und Nachspielzeit genannt.

Klaus-Dieter Stork und Jonas Wollenhaupt, "Links kickt besser - Der Mythos vom unpolitischen Fußball", Westend Verlag

Daphne Hruby

Amazonasdschungel

AP/VICTOR R. CAIVANO

Thomas Halliday: "Urwelten"

Dinosaurier faszinieren nicht nur Kinder. Auch Erwachsene beeindrucken die Riesenwesen, die lange vor den Menschen auf der Erde lebten. Bei den wenigsten hinterlässt die Erinnerung an die Dinosaurier aber ein korrektes Gefühl für Zeiträume. Dass wir Menschen nämlich in Relation zur Erdgeschichte erst sehr sehr kurz das Leben auf diesem Planeten bestimmen. Der Paläontologe Thomas Halliday lässt nun verlorene Welten wiederaufleben, erklärt, wie Ökosysteme entstehen und verschwinden, wie alte Spezies durch neue verdrängt wurden, wie Lebewesen wandern, sich anpassen und entwickeln. In bester Nature-Writing-Tradition führt Thomas Halliday durch 500 Millionen Jahre Erdgeschichte und durch sieben Kontinente.

Thomas Halliday, "Urwelten - Eine Reise durch die ausgestorbenen Ökosysteme der Erdgeschichte", übersetzt aus dem Englischen von Hainer Kober, Hanser

Madeleine Amberger

Ben Wilson: "Metropolen"

Städte ziehen Menschen an, die Arbeit suchen oder solche, die sich vom engen Wertekorsett auf dem Land befreien wollen. Städte bieten Arbeit, Freiheit, die Chance auf Reichtum und Innovation. Der Preis dafür sind meist enge Wohnverhältnisse, viel Konkurrenz, Kriminalität, Gestank und Krankheiten. Von der mesopotamischen Stadt Uruk ab 4000 vor Christus geht es bis in die Slums des heutigen Lagos. Den Historiker Ben Wilson treibt die Frage an, was Städte ausmacht - und wie gegenwärtige Entwicklungen städtisches Potential zerstören können.

Ben Wilson, "Metropolen - Die Weltgeschichte der Menschheit in den Städten", übersetzt von Irmengard Gabler, S. Fischer

Hanna Ronzheimer

Armen Avanessian: "Konflikt"

Normalerweise verortet man Konflikte in der Gegenwart oder leitet sie aus der Vergangenheit ab. Und oft entlädt sich dieser Konflikt mit Waffengewalt. Der Philosoph und Politologe Armen Avanessian schlägt eine neue Sichtweise auf Konflikte vor. Die Gewalt ist für ihn bereits vor der Eskalation vorhanden. Es geht nicht darum, den Konflikt aufzulösen, sondern darum, ihn zu verstehen. Und dafür müsse man Konflikte von der Zukunft her zurückdenken. Ein Paradebeispiel dafür wäre der Klimawandel.

Armen Avanessian, "Konflikt - Von der Dringlichkeit, Probleme von morgen schon heute zu lösen", Ullstein

Studiogespräch: Wolfgang Ritschl

S. Sons: "Menschenrechte sind nicht käuflich"

Die Fußball-Weltmeisterschaft zieht alle vier Jahre im Schnitt 3,5 Milliarden Menschen in ihren Bann. Die heurigen Spiele - die als die bisher teuersten in die Fußballgeschichte eingehen werden - erregen aber noch mehr Aufmerksamkeit als sonst. Grund ist der Austragungsort: Katar - ein Wüstenstaat etwa in der Größe von Oberösterreich, in welchem es im Sommer oftmals 45 Grad hat. Deswegen findet die WM nun auch im Winter statt - und nicht wie üblich im Juni und im Juli. Die Verschiebung hat einige Fußballfans verärgert. Doch das ist bei weitem nicht der einzige Kritikpunkt an dieser WM. Korruption bei der Vergabe, Ausbeutung der Arbeitsmigranten, Tote auf den Baustellen der Stadien - um nur einige der Vorwürfe zu nennen. Sebastian Sons greift all diese Themen auf und versucht dabei einen differenzierteren Blick auf die Diskussion zu eröffnen.

Sebastian Sons, "Menschenrechte sind nicht käuflich - Warum die WM in Katar auch bei uns zu einer neuen Politik führen muss", Atrium

Daphne Hruby

Service

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