Menschen vor Riesenbüchern

APA/DPA/HENDRIK SCHMIDT

Kontext

Sachbücher im Jänner

Die monatlich erscheinende Sachbuch-Bestenliste der Medienpartner "Die Literarische Welt", Radiosender WDR 5, "Neue Zürcher Zeitung" sowie Ö1.

Unabhängiges Gremium

Unsere Liste wird von einem unabhängigen Gremium erstellt, dem Fachjournalisten und renommierte Publizisten angehören, darunter Wissenschaftler wie Herfried Münkler und Jochen Hörisch. Das Gremium, das ab Januar noch erweitert werden wird, ermittelt monatlich zehn Bücher auf Basis von Punkten. Jeder Juror, jede Jurorin kann 8, 6, 4 oder 2 Punkte für vier Bücher vergeben.

1. Willi Winkler

"Hannah Arendt. Ein Leben", Verlag Rowohlt Berlin, 509 Seiten

2. Mirjam Schaub

"Radikalität und der Riss zwischen Theorie und Praxis. Eine unerhörte Kulturphilosophie"; "Radikalität und der Mut zum Gebrauch des eigenen Lebens", 2 Bände, Felix Meiner Verlag, zusammen 848 Seiten

3. Helmut Kiesel

"Schreiben in finsteren Zeiten. Geschichte der deutschsprachigen Literatur 1933 - 1945", C. H. Beck Verlag, 1.392 Seiten

4. Julian Nida-Rümelin

"Der Epochenbruch. Auf dem Weg in eine neue Weltordnung", Verlag Matthes & Seitz Berlin, 102 Seiten

5. Aladin El-Mafaalani

"Misstrauensgemeinschaften. Zur Anziehungskraft von Populismus und Verschwörungsideologien", Verlag Kiepenheuer & Witsch, 128 Seiten

6. Erika Thomalla

"Gegenwart machen. Eine Oral History des Popjournalismus", Schöffling Verlag, 256 Seiten

7. Alice Ceresa

"Kleines Wörterbuch der weiblichen Ungleichheit", übersetzt von Sabine Schulz, Diaphanes Verlag, 136 Seiten

ex aequo, Manon Garcia

"Mit Männern leben. Überlegungen zum Pelicot-Prozess", übersetzt von Andreas Hemminger, Suhrkamp Verlag, 195 Seiten

9. Susanne Baer

"Rote Linien. Wie das Bundesverfassungsgericht die Demokratie schützt", Herder Verlag, 384 Seiten

10. Florian Illies

"Wenn die Sonne untergeht. Familie Mann in Sanary", S. Fischer Verlag, 336 Seiten

"Der Publizist Sebastian Haffner (1907 bis 1999) hat bis heute einen guten Namen. Als wertkonservativer Verfechter liberaler Rechtsstaatlichkeit personifizierte er, was man als den Kern, ja den Konsens der Bonner Republik bezeichnen kann. Seine Bestseller über die 'verratene Revolution' 1918/19, über die Weimarer Republik, Hitler und Churchill sind unvergessen. Mochten auch einige seiner Thesen nicht haltbar sein, zu ihrer Zeit machten sie Furore, weil sie beides waren: klug und zugespitzt. Sein letztes Werk, 'Geschichte eines Deutschen', das postum 2000 erschien, ist mindestens so mitreißend wie seine berühmten Bücher; anders als diese ist es ein frappierend hellsichtiges, autobiografisches Zeitdokument. Anfang 1939 - im Vorjahr war er nach England emigriert - verfasste Haffner seine Erinnerungen an die Jahre von 1914 bis zu Hitlers Machtübernahme. Anhand seiner Erlebnisse als junger, in eine Jüdin verliebter Berliner Jurist schildert er, wie seine Landsleute sich mit dem Nazi-Wesen einrichteten: mit dem Militarismus, der Judenverfolgung, dem alltäglichen Terror. Wie konnte 'ein großes Volk, das immerhin nicht nur aus Feiglingen besteht, widerstandslos der Schande verfallen'? Anschaulicher und zupackender ist das noch selten erklärt worden. Haffners Buch ist die 'Geschichte eines Deutschen', im Grunde aber erzählt es auch von der Natur des Menschen." (Franziska Augstein)