Salzburger Nachtstudio
"Wenn in Afrika ein Greis stirbt, stirbt eine ganze Bibliothek". Einblicke in die Philosophie und Lebensweisheit Afrikas. Gestaltung: Tina Plasil
21. April 2010, 21:00
Erstmals kommt der Weltfußball nach Afrika. Dort trifft er auf Gemeinsamkeiten, denn Fußball verbindet, ist in Afrika allgegenwärtig. Doch was ist dieses Afrika? Welches Afrika ist gemeint? Afrika ist nicht Afrika, denn es besteht aus 53 Staaten, beherbergt rund eine Milliarde Menschen, und man spricht über zweitausend Sprachen. Dennoch findet sich typisch Afrikanisches in der Lebensweise, der Weltanschauung, der philosophischen Gedankenwelt. Trotzdem wird darüber diskutiert, ob es so etwas wie afrikanische Philosophie überhaupt gibt.
Die Alten Griechen beanspruchten die Erfindung der Philosophie für sich. Das wahre Denken war europäisch. Diese Auffassung hielt sich bis ins 20. Jahrhundert. Martin Heidegger behauptete, dass es keine andere Philosophie als die abendländische gäbe.
Das hängt wohl damit zusammen, dass Afrika keine verschriftlichte Tradition des Denkens hat. Wissen und Weisheit wurden von einer Generation zur nächsten mündlich weitergegeben. Deshalb sagte der Schriftsteller und Ethnologe aus Mali Amadou Hampaté Ba: "Wenn in Afrika ein Greis stirbt, stirbt eine ganze Bibliothek."
Durch die mündliche Überlieferungsform, die in Afrika typisch ist, spielen Sprichwörter eine große Rolle, wie das bereits erwähnte der Massai, oder das Sprichwort aus Sambia, das lautet: "Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht."
Seit den 1980er Jahren nimmt auch die wissenschaftliche Intelligenz "fremdes" Denken wahr, beginnt einen internationalen philosophischen Diskurs, wissend, dass ein Mensch ohne Kultur wie ein Zebra ohne Streifen ist ...
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Buch-Tipps:
Kimmerle, Heinz: Afrikanische Philosophie im Kontext der Weltphilosophie. Interkulturelle Bibliothek. Verlag Traugott Bautz, 2005.
Kimmerle, Heinz: Spiegelungen westlichen und afrikanischen Denkens. Interkulturelle Bibliothek. Verlag Traugott Bautz, 2008.
McCall Smith, Alexander: Das Mädchen, das einen Löwen heiratete. Eine Liebeserklärung an den afrikanischen Kontinent. Bastei-Lübbe. 2006.
Nagl-Docekal, Herta & Wimmer, Franz M. (Hg.): Postkoloniales Philosophieren: Afrika. Ouldenburg Verlag. 1992.
Karl-Heinz Rathke (Hg.): Des Menschen Herz ist wie der Ozean, Südwind-Verlag, 2000
Trojanow, Ilja und Hove, Chenjerai: Hüter der Sonne, Frederking und Thaler, 2007
Wiredu, Kwasi (Hg.): A Companion to African Philosophy.Blackwell, 2004.
Appiah, Kwame Anthony: Cosmopolitanism: Ethics in a World of Strangers. Norton. 2007.
Graneß, Anke: Der Begriff der Gerechtigkeit bei Odera Oruka. Dissertation. 2009.
Hallen, Barry: A short History of African Philosophy. Indiana University Press. 2002.
InterviewpartnerInnen:
Kwasi Wiredu, Philosoph, Florida, USA
Kwame Anthony Appiah, Philosoph, New Jersey, USA
Chibueze Udeani, Philosoph und Theologe, Linz
Brigid Sackey, African Studies, Ghana
Kodjo Senah, Soziologe, Ghana
Heinz Kimmerle, Philosoph, Rotterdam, Niederlande
Franz Martin Wimmer, Philosoph, Wien
Anke Graneß, Philosophin und Redakteurin, Wien
Bartholomäus Grill, Journalist und Autor, Südafrika und Deutschland
Gerhard Schwarz, Gruppendynamiker und Philosoph, Wien
