Leporello
Menschen - Moden - Lebenskunst.
Schicksal auf dem Schreibtisch * Schatten überm Schloss
17. Juni 2010, 07:52
Schicksal auf dem Schreibtisch
Das "Asylabwehramt" ist eine Installation der aktionistischen Medienkunst-Gruppe uebermorgen.com im Kunstraum "Das Weiße Haus" in der Wiener Innenstadt. Mit der Einrichtung einer realitätsgetreuen Amtsstube reagieren die Künstler auf die Vergangenheit des Gebäudes Wollzeile 1, in dem früher Abteilungen des Bundeskanzleramts und des Finanzministeriums untergebracht waren. Sie reagieren aber auch auf das europäische und österreichische Asylwesen, dessen Rechtslage kompliziert und ständigen Änderungen unterworfen ist. Das macht es selbst für Juristen schwer durchschaubar und hat auch zur Folge, dass viele Amtshandlungen gegenüber Asylsuchenden im rechtsfreien Raum ausgeführt werden. Die verschärften Fremdengesetze stehen zudem im Konflikt mit den Menschenrechtskonventionen - das will auch der Weltflüchtlingstag am kommenden Sonntag ins öffentliche Bewusstsein rufen.
Wer denkt, dass die absurden Verordnungen, die im Asylabwehramt aufliegen, erfunden sind, dass die Krankenberichte von zweijährigen Flüchtlingskindern oder die gerichtlichen Ablehnungsbegründungen einzelner Asylanträge gefälscht sind, der irrt, so lizvlx und Wendy von uebermorgen.com. Das Asylabwehramt ist eine drastische Vorführung realer Umstände, die für Menschen über Zukunft und Leben entscheiden. Die Realität zu überzeichnen, um eine künstlerische Aussage zu verdeutlichen, ist im Falle des österreichischen Asylwesens gar nicht möglich.Gestaltung: Anna Soucek
Schatten überm Schloss
"Die Schatten Hölderlins", der jüngste Roman des Schriftstellers und Regisseurs Jürgen Kaizik, ist auf dem gräflichen Schloss Wasserburg bei Pottenbrunn im späten 18. Jahrhundert angesiedelt. Er behandelt neben der politischen Aufklärung auch die Aufklärung sieben grausamer Morde und die allmähliche Klarheit des Protagonisten über sich selbst und seine Berufung. Der junge Mönch Heinrich kommt im Auftrag seines Abtes mit einer Geheimbotschaft für den Grafen zum Schloss. Dort eröffnet sich ihm ein Schauspiel verborgener und trügerischer Identitäten, dem er bald selbst anheim fällt. Schnell wird er Teil des Gefüges aus Liebe, Intrigen und Machtbesessenheit. Auch der Dichter Friedrich Hölderlin gerät unvermutet an den Hof, wird ob seiner Verrücktheit weggesperrt und zerbricht unter dem System der zu Ende gehenden Feudalherrschaft und des beginnenden Kapitalismus. "Die Schatten Hölderlins" beschreibt ein spannendes und komplexes Figurengefüge aus vielen Fäden, die am Ende nicht alle vernäht werden. Zurück bleibt eine beklemmende Stimmung, ein Widerspruch zwischen rückschrittlichem Denken, Fortschrittsglaube und wirtschaftlicher Unterdrückung, der für Jürgen Kaizik in der Aufklärung begann und bis heute nachwirkt. Gestaltung: Judith Hoffmann
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