Gedanken für den Tag

"Christlich-jüdische Begegnungen im Garten der Religionen" von Markus Himmelbauer

Markus Himmelbauer ist Theologe in Wien.

Seit vier Jarhen gibt es den "Garten der Religionen" im Waldviertler Benediktinerstift Altenburg. Heuer ist er dem Verhältnis von Christentum und Judentum gewidmet. Die Jahresausstellung "Aufbruch - Zueinander. Christen und Juden. Wandlung einer Beziehung" wurde in Kooperation mit dem Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit erstellt.

Im Garten der Religionen im Stift Altenburg steht ein knorriger Ölbaum. Er bezieht sich auf ein Bild, das der Apostel Paulus im Römerbrief verwendet: Israel ist der edle Ölbaum. Aus ihm wurden einige Äste herausgebrochen und stattdessen wilde Zweige eingepfropft. Diese stehen für die Nichtjuden, die an Christus glauben. Sie erhalten Kraft durch die Wurzel des edlen Baums. Und Paulus mahnt jene, die zum Glauben an Christus gekommen sind: "So erhebe dich nicht über die anderen Zweige. Du sollst wissen: Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich."

Dieses Bild spricht emotional an. Richtig ist: Wer an Christus glaubt, lässt sich auf eine Beziehung mit dem Judentum ein. Aber warum mussten dafür Zweige ausgerissen werden? Und geht es nur um die Wurzel, oder was ist mit den Zweigen um uns?

Das Konzil verwendete 1965 ein anderes Bild für die christlich-jüdische Beziehung. Es spricht vom Band, mit dem das Volk des Neuen Bundes mit dem Stamme Abrahams geistlich verbunden ist. Das lateinische Wort "vinculum" bezeichnet auch das Band der Ehe, also etwas, das für die Kirche ganz besonders festen Bestand und besonderen Segen hat.

Manche sprechen heute auch davon, dass Juden und Christen Geschwister, ja Zwillinge sind. Denn während der Zeit des zweiten Tempels sind in derselben Epoche zwei neue Gemeinschaften innerhalb des Judentums entstanden: Das rabbinische Judentum und die christliche Kirche. Beide gehen über das bisherige Judentum hinaus und interpretieren die bisherige Tradition neu und je unterschiedlich.

Es ist nicht so einfach, ein passendes Bild für das christlich-jüdische Verhältnis zu finden. Jedenfalls braucht es Begegnung auf gleicher Augenhöhe. Und eine aktive Pflege dieser Partnerschaft, damit die christlich-jüdische Beziehung gelingen kann.

Service

Stift Altenburg

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