Diagonal - Radio für Zeitgenossen
Zum Thema: Ungeheuer - gefürchtet und geliebt. Präsentation: Michael Schrott * Anschl.: Diagonals Feiner Musiksalon: Chumbawamba: "ABCDEFG"
24. Juli 2010, 17:05
Die Schotten lieben das Ungeheuer von Loch Ness - es bringt Einnahmen aus dem Tourismus. Journalisten lieben "Nessie" auch, wissen aber, dass sie es nicht in jedem Sommerloch auftauchen lassen dürfen.
Der fürchterliche King Kong wird innerhalb einer Filmlänge zum Kuschelmonster. Literatur und Film haben höchst beliebte Ungeheuer hervorgebracht: Frankenstein, Dracula, Nosferatu, Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Als amüsantes, elegantes und geniales Ungeheuer gibt Charles Chaplin den Frauenmörder in "Monsieur Verdoux". In der bildenden Kunst war Hieronymus Bosch Schöpfer abenteuerlichster Monster. Und was Goya seinen Zeitgenossen mit der 43. seiner achtzig Capricho-Radierungen sagen wollte, darüber diskutieren noch unsere heutigen Zeitgenossen: "Der Schlaf (der Traum) der Vernunft gebiert Ungeheuer."
Natürlich kennen wir auch die Anwendung des Begriffs Ungeheuer auf real existierende Menschen: Serienmörder, Kinderschänder, Terroristen, Kriegstreiber, Staatsmänner. Und monströs erscheinen uns nicht nur Krankheit und Tod, sondern auch der Banken- und Börsencrash und die Staatspleite.
Service
Christopher Dell, "Monster. Dämonen, Drachen & Vampire. Ein Bestiarium", Verlag Christian Brandstätter, ab Oktober im Buchhandel
Clemens Ruthner, "Am Rande. Kanon, Peripherie und die Intertextualität des Marginalen am Beispiel der (österreichischen) Phantastik im 20. Jahrhundert", Francke Verlag
Christian Stiegler, "Vergessene Bestie. Der Werwolf in der deutschen Literatur", Braumüller Verlag
Claude Lecouteux, "Die Geschichte der Vampire. Metamorphose eines Mythos", Patmos Verlag
Florian Schumacher, "Das Ich und der andere Körper. Eine Kulturgeschichte des Monsters und des künstlichen Menschen", Tectum Verlag
Reinhard Haller, "Das ganz normale Böse", Ecowin Verlag
Dorothee Frank, "Menschen töten", Walter Verlag
Webjournal Kakanien Revisited
Homepage "Niemandsland" von Clemens Ruthner
