Gedanken für den Tag
"Gastfreundlich sein wie Abraham und Sara" von Josef Schultes
28. Juli 2010, 06:57
Josef Schultes ist katholischer Theologe und Religionspädagoge.
Abraham und Sara: Viele Geschichten ranken sich um diese beiden Gestalten. "JHWH erschien Abraham bei den Eichen von Mamre, zur Mittagshitze am Zelteingang". So beginnt eine der bekanntesten Erzählungen aus dem ersten Buch der Bibel, "Genesis". Sie handelt von der typisch orientalischen Gastfreundschaft der "Stamm-Eltern" drei Männern gegenüber. Es ist eine Story von Gastfreundschaft und ihren Nachwehen: Im hebräischen Original wird den kinderlosen Senioren ein Sohn verheißen. In der orthodoxen Ikonen-Kunst leuchtet hier schon die Dreifaltigkeit auf. Und im Islam wird Abraham zum Propheten Ibrahim, hoch verehrt in seinem angeblichen Geburtsort Urfa. Wo auch Christen zum Mittagsgebet in der Moschee eingeladen sind, von einem gastfreundlichen Imam ...
Gestaltung: Alexandra Mantler
"Ihr Zimmerschlüssel, bitte. 1. Stock, Zimmer 152. Fühlen Sie sich wie zu Hause!" Die Begrüßung an der Rezeption tut gut. Ich höre sie gern, wenn ich nach Marienkron komme, ins burgenländische Mönchhof. Eine wahre Oase für Leib und Seele, dieses Kneipp-Kurhaus der Zisterzienserinnen.
Sr. Bernarda und ich leiten hier einen Kurs "Qigong und Bibel". Mit Geschichten von Menschen wie Abraham und Sara: Gott-Suchende von damals und Sinn-Suchende von heute begegnen einander. Wir stehen vor dem Eingangsportal und schauen auf das Bild direkt darüber: "Der Besuch der drei Männer bei Abraham und Sara". Es stammt von Äbtissin Basilia Gürth, einer Benediktinerin.
Bunt geht es zu auf diesem Fresco. In der Mitte die drei Männer, als Engel dargestellt. Beflügelt auch, rechts und links davon, Abraham und Sara, beide im Sauseschritt. Genau wie es Genesis 18 schildert: "Da lief Abraham eiligst ins Zelt zu Sara und rief: Schnell drei Sea feines Mehl! Rühr es an, und backe Brotfladen!" Drei Sea Mehl? Wie viel ist das, fragt eine Teilnehmerin. Etwa 40 Liter! Mit "einem Bissen Brot", sagt eine andere, hat er seine Gäste zum Bleiben eingeladen. Abraham und Sara geben - mehr als erwartet, mehr als versprochen.
"Er selber lief zu den Rindern", erzählt die Bibel weiter, "holte ein Kalb, zart und gut, und übergab es dem Jungknecht, der es schnell zubereitete. Dann nahm Abraham Butter, Milch und das Kalb, und setzte es ihnen vor. Er wartete ihnen unter dem Baum auf, während sie aßen."
Warum findet sich dieses Fresco über der Eingangstür in Marienkron, fragt eine Kursteilnehmerin. Weil Zisterzienserinnen, erklärt uns Sr. Bernarda, nach der Ordensregel des heiligen Benedikt leben. Und darin gibt es ein eigenes Kapitel über die Gastfreundschaft. Da heißt es: "Alle Fremden, die kommen, sollen aufgenommen werden ... Vor allem bei der Aufnahme von Armen und Fremden zeige man Eifer und Sorge."
Service
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