Patina - Kostbares aus dem Archiv
"Hundertundzwanzig alt, fünfundsiebzig tot" - Ein "Patina"-Sommer mit Kurt Tucholsky (9. Teil von 9). Gestaltung: Roland Knie
29. August 2010, 09:04
Der Dr. jur. Kurt Tucholsky, der am 19. Dezember 1935 in seinem schwedischen Exil freiwillig - oder doch zumindest nicht gegen seinen Willen - aus dem Leben schied, gehört mit seinem umfangreichen dichterischen Werk zum, wie man so sagt (und wie er selbst niemals gesagt hätte!) - "unverlierbaren Kulturbesitz".
Tatsächlich scheint Tucholskys unbeirrbarer Scharfblick, scheinen seine poetischen wie seine polemischen Herzensangelegenheiten zur Besitznahme zu verleiten: Seinen Tucholsky hat man; teils gelesen, teils inhaliert, teils seit Jahren zu Hause stehen, teils seinerzeit bewundert, aber jetzt schon lang nicht mehr so präsent - aber: man hat.
Das könnte daran liegen, dass der Dichter Tucholsky erstens wirklich ein solcher war (und keineswegs der satirische Reimebold, als den ihn selbst etliche seiner Bewunderer sehen) und zweitens ein großer Charakter. Kurt Tucholsky war der leuchtende, funkelnde Beweis für das ebenso literarische wie politische Axiom, dass es nicht so sehr darauf ankomme, was oder wie, sondern von wem etwas gesagt wird.
Er hat einmal, gegen Ende seines Lebens, auf einen Notizzettel ganz lapidar "Eine Treppe" gezeichnet: Unterste Stufe: Sprechen. Mittlere: Schreiben. Höchste: Schweigen. Von dort oben ist der Dichter Tucholsky weitergegangen.
