Gedanken für den Tag
Von Katja Sindemann. "Götterspeisen" - Religiöse Festgerichte und ihre Botschaft. Gestaltung: Alexandra Mantler-Felnhofer
2. Juni 2012, 06:56
Ob Käseblintzes, Pfingstmilch, Halim oder Modaka - Religiöse Festtage sind meist traditionell auch mit bestimmten Speisen verbunden. Gab es dafür ursprünglich jahreszeitliche, bzw. geoklimatische Gründe, wurden die Speisen im Laufe der Zeit oft auch religiös interpretiert. Selbst wenn die Symbolik mehr dem Volksbrauch als der jeweiligen Theologie entsprach, so enthielt sie doch eine wertvolle spirituelle Lehre.
Die Religionswissenschaftlerin Katja Sindemann schaut den Religionen in ihre Kochtöpfe und lädt in den "Gedanken für den Tag" zu einem kulinarisch-theologischen Streifzug ein.
Vesakh = Buddhas Geburt, Erleuchtung und Tod
Buddhisten in Asien ebenso wie im Westen haben vor wenigen Wochen das Vesakh-Fest gefeiert. Dabei wird gleich dreier Ereignisse aus Buddhas Leben gedacht: seiner Geburt, seiner Erleuchtung und seines Todes und damit seines Eingangs ins Nirvana. Der indische Prinz Siddharta Gautama befand sich laut buddhistischer Überlieferung auf der Suche nach einem Ausweg aus dem leidvollen Kreislauf der Wiedergeburten. Er hatte verschiedene religiöse Schulungen absolviert, streng gefastet und sich kasteit, dass er beinahe zugrunde gegangen wäre. Er erkannte, dass dies nicht der richtige Weg sei, nahm wieder Essen zu sich und setzte sich zur Meditation unter einen Bodhibaum nieder. Nach Wochen intensiver Meditation erlangte er Erleuchtung und war fortan Buddha, der Erwachte. Seine Lehre nannte er den Mittleren Weg, da er religiöse Extreme vermeidet. Buddha lehrte, wie man vermeidet, Karma anzusammeln, um nach dem Tod keine Wiedergeburt zu erleben, sondern endgültig zu verlöschen, ins Nirvana einzugehen. Seine Lehren sind geprägt von Respekt vor den Menschen sowie den Tieren. Das Töten von Lebewesen wird abgelehnt. So gilt für buddhistische Mönche, dass kein Tier extra für deren Mahlzeit geschlachtet werden soll. Wenn allerdings ein bereits zubereitetes Fleischgericht als Essensspende serviert wird, sollen Buddhas Schüler diese nicht ablehnen, sondern dankbar annehmen. Zu Vesakh allerdings werden nur vegetarische Gerichte gegessen, aus Respekt gegenüber den Tieren. Berühmt ist die Buddhistische Fastenspeise, ein Gemüsegericht oder -eintopf, der in vielen asiatischen Ländern verbreitet ist und je nach Rezept mit Nudeln, Reis, Pilzen oder Tofu gegessen wird. Es gibt zu Vesakh noch einen Brauch, um den Respekt vor Tieren zu bezeugen. Es werden gefangene Vögel und andere Tiere freigelassen, um sich religiöse Verdienste zu erwerben und zu zeigen, dass man zum Wohl aller Wesen wirken will. Es symbolisiert zugleich die angestrebte Befreiung aus dem Rad der Wiedergeburten. Der thailändische Volksglaube hat eigene Bedeutungen hinzugefügt: freigelassene Schildkröten sollen ein langes Leben, freigelassene Aale Geld und Erfolg bringen. Universal ist jedenfalls der buddhistische Wunsch: Mögen alle Wesen glücklich und zufrieden sein.
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Sendereihe
Playlist
Titel: GFT 120602 Gedanken für den Tag / Katja Sindemann
Länge: 03:49 min
