Da capo: Ambiente

Reisemagazin:
Ein Fürst als Anarchist. Vicino Orsini und der Sacro Bosco von Bomarzo, von Christina Höfferer; Am Fluss der schwarzen Schnecken - unterwegs an der nicaraguanischen Pazifikküste, von Nikolaus Scholz; Wesire, Konsuln und ein Nobelpreisträger - Lokalaugenschein im bosnischen Travnik, von Edgar Schütz


) "Schon ein oberflächlicher Rundgang erweckt den Eindruck absoluter Originalität, fast furchterregender Eigengesetzlichkeit" befindet der Kunsthistoriker Horst Bredekamp über den "Park der Ungeheuer" von Bomazo, hundert Kilometer nördlich von Rom. Als "heiligen Wald" erdachte Vicino Orsini ab 1552 den Garten im Tal des Tiber. Aus der Politik hatte sich Vicino Orsini zurückgezogen, nachdem er zum Zeugen einer grausamen Schlacht zwischen dem Papst und der Stadt Montefortino geworden war, die mit einem Massaker an der Zivilbevölkerung endete. Ein Höllenschlund, eine Amazone, ein schiefes Haus und merkwürdige symbolische Gestalten, sie alle dienen im Park des Vicino Orsini der Verstörung der Besucher gleichermaßen wie deren Erbauung.


) Leon, die Provinzhauptstadt im Westen Nicaraguas wurde 1524 vom spanischen Eroberer Francisco Hernandéz Córdoba gegründet. Eine Eruption des Vulkans Momotombo und zahlreiche Beben legten das alte Leon 1609 in Schutt und Asche. Seine erst 1968 freigelegten Ruinen wurden im Jahr 2000 in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes aufgenommen. Die heutige, etwa 30 Kilometer vom alten Leon entfernte, Stadt ist nicht nur wegen seiner Kathedrale - die Größte Mittelamerikas - einen Besuch wert. Sie gilt als intellektuelle Metropole Nicaraguas und steht traditionell für das liberale Element des Landes; Die Stadt war die Keimzelle der sandinistischen Revolution 1978/79 und Wohnsitz des berühmten Dichters Rubén Dario. Viele Gebäude, die in den Revolutionsjahren zerstört wurden, sind bis heute noch nicht wiederaufgebaut worden. An der Pazifikküste, hat die Revolution jedoch kaum Spuren hinterlassen. In Poneloya finden sich Mangrovenwälder, die einen einzigartigen Lebensraum für eine artenreiche Tierwelt darstellen.


) Heutzutage ist Travnik nicht gerade der Mittelpunkt der Welt. Dabei blickt die im engen Lašva-Tal gelegene zentralbosnische Kleinstadt auf eine bewegte Geschichte zurück. Sie gehörte zum mittelalterlichen bosnischen Staat, das historische Zentrum ist von zahlreichen Moscheen und zwei Uhrtürmen geprägt. Während der osmanischen Herrschaft beherbergte Travnik 150 Jahre einen Statthalter des türkischen Sultans. Die Stadt wurde zum Handels- und Handwerkszentrum und dem ersten diplomatischen Hotspot Bosniens. 1806 eröffneten die Franzosen ein Konsulat, es existierte bis zum Fall Napoleons 1814. Da Österreich Paroli bieten wollte, entsandte es 1807 auch einen Konsul. Die diplomatische Vertretung gab es bis 1821. Diese Epoche hat Ivo Andri? in seinem Roman Wesire und Konsuln eindrucksvoll geschildert. 1961 erhielt er den Nobelpreis. Heute wird der 1975 verstorbene Andri? in seiner Geburtsstadt mit einem Museum geehrt.

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