Da capo: Tonspuren

"Und ich war im Recht. Wie stets." Das denkwürdige Dasein des Eckhard Henscheid. Feature von Peter Zimmermann

Dem Bier sei er schon als Zweijähriger zugetan gewesen, schreibt Eckhard Henscheid in seiner Autobiografie "Denkwürdigkeiten" - als ob Krug und Schaumkrone als Fanal für die spätere Laufbahn als Satiriker herhalten könnten. Dennoch ist der gebürtige Oberpfälzer, der heute wieder in seinem Herkunftsort Amberg lebt, nicht herauszulösen aus der ländlich-bayerisch-katholischen Stammtischkultur, die in verfeinerter Form in Spott, Satire und Ironie von äußerster Geradlinigkeit zu münden vermag.

Der ehemalige Musiklehrer, studierte Germanist und gelegentliche Journalist konnte diese Geradlinigkeit Anfang der siebziger Jahre in die so genannte Neue Frankfurter Schule einbringen, deren Mitglieder wie Robert Gernhardt oder F.K. Waechter dem spaßfreien Theodor W. Adorno und Adepten den kapitalismuskritischen Ernst durch angewandte Sinnfreiheit auszutreiben versuchten. Henscheids literarisches Debüt, die "Trilogie des laufenden Schwachsinns" mag hierfür als programmatisch gelten. Neben seinen satirischen Romanen und Erzählungen war Henscheid Mitbegründer des Satiremagazins "Titanic".

In der Kritik ist man in der Regel für oder gegen ihn. Als "Klamaukschriftsteller" bezeichnete ihn einmal Gert Ueding, während Gustav Seibt von der "Henscheidschen Wende in der deutschen Nachkriegsliteratur" sprach und damit des Autors Bemühungen um den Witz als Erkenntnisinstrument meinte. Eckhard Henscheid mit dem Understatement des Autors, der weiß, was er kann: "Ich bin doch mehr ein Klimbim- oder auch Krawallschriftsteller."

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