Tao - aus den Religionen der Welt

Inshallah!? - Islam, Christentum und die Politik am Beispiel Ägypten. Gestaltung: Johannes Kaup

Täglich wird am Tahrirplatz in Kairo demonstriert. Die ägyptische Revolution ist noch lange nicht zu Ende. Seit der Machtübernahme durch die Muslimbrüder hat sich die wirtschaftliche Situation des Landes verschlechtert. Die Querelen um die umstrittene neue Verfassung haben zu einem Abbruch des Dialogs mit den Oppositionskräften geführt. Die Tourismusindustrie leidet, obwohl Ägypten auch trotz der politischen Demonstrationen ein sicheres Reiseland bleibt.

Neben den politischen Machtkämpfen spielt die Frage des Stellenwerts der Religion für die Verfassung und Rechtsprechung eine wichtige Rolle. Die Koptischen Christen - immerhin 10 Prozent der 85 Millionen Ägypter - sehen in der neuen Verfassung einen "Wegbereiter eines islamischen Kalifats" und die Bürgerrechte sowie die Religionsfreiheit bedroht. Besonders junge Frauen und religiöse Minderheiten - neben Christen schiitische Muslime, Bahai und Buddhisten - würden ihrer Meinung nach von der Verfassung benachteiligt. Die koptischen Bischöfe zeigten sich besorgt, dass die Verfassung nichtmuslimische Frauen dazu zwinge, Kopftücher zu tragen und die Verheiratung minderjähriger Mädchen legitimiere. Nach ihren Worten erlaubt die Verfassung in scheinbarer Übereinstimmung mit dem Recht der Scharia, dass "geschlechtsreife" Frauen heiraten, was die Akzeptanz von Teenager-Hochzeiten bedeute. Vor allem das massive Beharren auf der Scharia untergrabe die Glaubwürdigkeit von Artikel 3 der Verfassung, in dem die Rechte von Christen, Juden und Muslimen niedergelegt sind, so die Kritiker.

Welchen Einfluss hat die Religion auf die Politik in Ägypten? Worum geht es in den Konflikten der unterschiedlichen Interessensgruppen? Wie ist es um die Menschenrechte, insbesondere um die Religionsfreiheit bestellt? Welche Wege führen in die Sackgasse, welche in eine bessere Zukunft?

Johannes Kaup war in Ägypten unterwegs, hat sich am Tahrirplatz unter Demonstranten und Demonstrantinnen gemischt, Politik- und Islamwissenschafter befragt und daraus eine Reportage aus einem spannend-faszinierenden Land im Umbruch gestaltet.

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