Zwischenruf

Zwischenruf

von Mag. Gisela Ebmer (Wien)

SIEG FÜR JESUS: Sport und Religion

Sieg für Jesus! So war es vor zwei Wochen in einer österreichischen Gratis-Zeitung zu lesen. Daneben ein Bild von David Alaba mit dem weißen T-Shirt, welches er nach dem siegreichen Finale der Champions-League medienwirksam angezogen hat. Mit der Aufschrift: Meine Kraft liegt in Jesus.

Ich habe großes Unbehagen gehabt, als ich die Schlagzeile gelesen habe.
Und gleichzeitig habe ich gar nicht so genau gewusst, was mir dabei so unangenehm ist. Mein erster Gedanke war: Das ist Missbrauch des Namens Gottes, Missbrauch von Religion.

Ich denke und habe gelesen, dass David Alaba ein sehr religiöser Mensch ist. Dass er von Kind an regelmäßig in seine Kirche ging, dass er betet vor jedem Match, dass er Gott dankbar ist für die Kraft, für die Technik, für das körperliche Geschick und für seine Lernfähigkeit.
Glaube kann Menschen wirklich ungeheure Kraft geben, wichtige Aufgaben zu meistern. Der Glaube kann Berge versetzen. Mir gefällt, dass David Alaba bekennt, dass nicht alles aus seiner eigenen Kraft und seinem Training kommt. Mir gefällt, dass er Gott dankbar ist.

Und gleichzeitig denke ich mir:

Wenn Jesus einer Mannschaft geholfen hat zu siegen, was ist mit der anderen Mannschaft? Hat er sie verlassen? War er nicht auf ihrer Seite? Ist Jesus auf der Seite der Sieger? Ist der Glaube an Jesus ein Garant für steile Karrieren? Die Ursache dafür, dass Alaba jetzt laut Zeitungsbericht 5 Mio. Euro im Jahr verdient?

Was will uns eine Tageszeitung mit dieser Schlagzeile "Sieg für Jesus" sagen? Was will sie Muslimen, Juden, Andersgläubigen oder Konfessionslosen sagen? Das einzige Heil liegt in Jesus? Denn er verhilft dir zum Sieg?
Der römische Kaiser Konstantin hat im 4. Jahrhundert eine Schlacht gegen seinen Mitkaiser im Namen Jesu gewonnen. Tausende Menschen sind dabei gestorben. Ab dem 11. Jahrhundert sind die Christen in Kreuzzügen nach Jerusalem gezogen und haben Tausende Muslime ermordet, in dem Glauben, Jesus stehe auf ihrer Seite. Und auch die Evangelischen unter den Nationalsozialisten sahen Jesus hinter sich in ihrer Verfolgung der Juden, wie auch George W. Bush in seinem Kampf gegen die sogenannte Achse des Bösen. All dies sehe ich als Missbrauch der christlichen Religion, als Missbrauch des Gottesnamens für die eigenen Zwecke.

Der biblische Jesus ist ein anderer:
"Sieg für Jesus" heißt: "Was ihr einem meiner geringsten Brüder - oder Schwestern - getan habt, das habt ihr mir getan": "Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben, ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen, ich war nackt und ihr habt mich bekleidet, ich war krank und ihr habt euch meiner angenommen, ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen." Der biblische Jesus steht auf der Seite der Verlierer in unserer Gesellschaft. Nicht auf der Seite der Sieger. Und Sieg für Jesus gibt es in unserer Welt dann, wenn alle Menschen genug zu essen haben, Menschen, die ihre Heimat verlassen, ein neues Zuhause und Geborgenheit finden, wenn Kranke besucht werden und begleitet werden in ihrem Sterben statt sie aus dem Weg zu räumen. Wenn Gefangene in ihrer Menschenwürde geachtet werden. "Sieg für Jesus" gibt es jetzt gerade, wo Tausende Menschen einander helfen, Tage und Nächte lang, um Hochwasserschäden zu beseitigen, um Nachbarn vorübergehend aufzunehmen. Wo Menschen Geld spenden für den Wiederaufbau der Existenz anderer. Hier ist Jesus in der Öffentlichkeit sichtbar. Viel besser und viel konkreter als beim Sieg im Champions-League-Finale. Und vor allem: Ein Jesus für alle Menschen, die in Not sind. Nicht für die Sieger.

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