Betrifft: Geschichte

Triumphe und Tragödien. Wenn die höchsten Berge tief in die Geschichte ragen. Mit Jochen Hemmleb, Alpinhistoriker und Publizist.
Gestaltung: Gerlinde Tamerl und Robert Weichinger

Die frühen Alpin-Expeditionen in den Himalaya hatten nichts mit Abenteuer zu tun. Sie waren eher mit Weltraummissionen zu vergleichen. Vor allem die Briten drängten auf das Dach der Welt. Nachdem sie im Wettlauf um die Pole jeweils unterlegen waren, wollten sie unbedingt den "dritten Pol", den Gipfel des Mount Everest als erste erreichen. Unter den charismatischen Bergsteigern, die schon in den 1920er Jahren mit Nagelschuhen und Tweedjacken ausgerüstet das beinahe Unmögliche versuchten, stach einer heraus: George Leigh Mallory. 1924 verschwand er mit seinem Partner Andrew Irvine auf dem Weg zum Gipfel. 1999 wurde seine Leiche auf über 8.000 Meter Höhe von einer Suchexpedition gefunden. Ob er damals den Gipfel erreicht hatte oder nicht, blieb jedoch ein Rätsel.

Im Jahr der Krönung von Elisabeth II., 1953, gelang es schließlich einer britischen Expedition, zwei Männer aus dem Team, den Sherpa Tenzing Norgay und den Neuseeländer Edmund Hillary, auf den Gipfel zu bringen. In England löste dies unbeschreiblichen Jubel aus, die Zeitungen titelten: The Crowning Glory: Everest ist climbed!

Was den Engländer/innen der Everest war, war den Deutschen der Nanga Parbat. Dieser Achttausender wurde vor allem im Dritten Reich zum Deutschen Schicksalsberg verklärt. In verbissenen Versuchen wurde trotz zahlreicher menschlicher Tragödien immer wieder der Gipfel des "Nackten Berges" in Angriff genommen. Doch erst im Jahr der Erstbesteigung des Everests gelang es einem Tiroler, Hermann Buhl, den Gipfel des Nanga Parbat zu erreichen, unter zuhilfenahme von Pervitin, einem Aufputschmittel, das wie eine Droge wirkte.

Im Jahr 1978 erkletterten Reinhold Messner und Peter Habeler den Gipfel des Mount Everest, ohne Verwendung von Flaschensauerstoff. Sie propagierten dabei einen neuen Stil im Höhenbergsteigen: kleinere, schlankere Teams, keine Belagerungen. Man verwendet nur das Nötigste und verzichtet auf Flaschensauerstoff. Viele Bergsteiger und Bergsteigerinnen folgten ihrem Trend. Doch ab den 1990er Jahren setzte wieder ein Gegentrend ein: Es wurde schick - vor allem unter reichen Menschen - auf Partys damit anzugeben, den Everest bestiegen zu haben. Wie und unter welchen Bedingungen man dies erreicht hatte, spielte keine Rolle. Es setzte eine unglaubliche Kommerzialisierung des Höhenbergsteigens ein.

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