Tonspuren

"Als Kind wär ich am liebsten ein Pferd gewesen." Anna Weidenholzers Geschichten über das Leben von Außenseitern. Feature von Eva Schobel

Das Schreiben hat Anna Weidenholzer von Anfang an begleitet. Weil sie mit Begeisterung Pferdegeschichten las, wollte sie ein Pferd werden. Ihre Texte handeln aber nicht von diesem Kindheitstraum. Anders als andere junge AutorInnen, thematisiert sie nicht ihre Autobiographie, sondern recherchiert sich in den Erfahrungsbereich der Randfiguren unserer Gesellschaft. Zum Beispiel in die Situation eines einsamen alten Mannes, der nach seinem Hund nur mehr die Motten im Mehl hat, aus dem er täglich seine Palatschinken zubereitet. Dieser Mann lebt in einer Zwischenwelt, weil er den Wechsel von der Sommer- zur Winterzeit nicht akzeptiert. Die Autorin hat ihn interviewt, als sie noch als Lokalreporterin gearbeitet hat. Auch der Roman "Der Winter tut den Fischen gut", der auf die Shortlist zum Leipziger Buchpreis kam, basiert auf Interviews mit langzeitarbeitslosen Frauen und der Kenntnis von fragwürdigen Ratgeberbüchern zur Selbstoptimierung. Das Leben von Maria, der Protagonistin der Geschichte, wird von hinten nach vorne aufgerollt, so dass die Hoffnungen des Anfangs noch am Ende des Buchs durchscheinen. Anna Weidenholzer beherrscht die seltene Kunst, über die Zumutung des langweiligen Alltags und die Tristesse der Verhältnisse spannend zu erzählen.

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