Gedanken für den Tag

Von Johanna Schwanberg, Kunstwissenschaftlerin und Direktorin des Wiener Dommuseums. "Kunst verändert das Leben" - Zum 40. Todestag des Dompredigers und Kunstförderers Otto Mauer

Gestische Pinselstriche, größere Flecken, kleinere Farbspritzer. Das alles findet sich quer über die Fläche verteilt auf einer weißen Leinwand. Die einzige Farbe ist rot. Gemalt hat dieses Ölbild im Jahr 1962 Markus Prachensky. Es befindet sich heute in der Sammlung Otto Mauer im Wiener Dommuseum. Prachensky zählt neben Arnulf Rainer, Josef Mikl und Wolfgang Hollegha zu jenen abstrakten Künstlern der österreichischen Nachkriegsavantgarde, die der Domprediger Otto Mauer besonders gefördert hat. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass dieses Bild auf den ersten Blick so gar nichts mit christlicher Kunst zu tun hat. Wenn man den Titel "Rouge sur blanc - Sebastiansplatz III" liest, kann man allerdings schon christliche Bezüge herstellen. Die roten Spritzer könnte man etwa als Blutspuren des verletzten Märtyrers Sebastian interpretieren. Aber darum ging es Otto Mauer im Grunde gar nicht. Wenn ich seine Schriften und Reden lese, so bin ich fasziniert, wie unglaublich mutig Otto Mauers Aussagen über Kunst im christlichen Kontext sind. Sie sind in vielen Punkten so wegbereitend, dass sie auch heute, 40 Jahre nach seinem Tod, höchst aktuell erscheinen.

So kritisiert Otto Mauer das Reservat einer spezifischen Kirchenkunst, wie er sie im 19. Jahrhundert verortet. Stattdessen stellt er die "These auf, dass alle modernen Tendenzen, überhaupt alle Kunsttendenzen, die es jemals gegeben hat, mit dem Christentum vereinbar und durchaus verwendbar sind, wenn man sie zu kultischen Zwecken heranzieht."

Otto Mauer hat sich in seiner 1954 gegründeten "Galerie St. Stephan", die später in "Galerie nächst St. Stephan" umbenannt wurde, mit den fortschrittlichsten Künstlern seiner Zeit umgeben. Er hat internationale Größen wie Georges Mathieu nach Wien geholt. Und er hat in den von ihm organisierten "Internationalen Kunstgesprächen" den geistigen Austausch rund um die aktuellen Kunst- und Architekturentwicklungen entscheidend mitbestimmt. Vor allem hat Otto Mauer österreichischen Künstlern und Künstlerinnen die Möglichkeit gegeben, auszustellen und somit auch international zu reüssieren.

Von der Kirche verlangte Otto Mauer, dass sie sich "permanent in einen Dialog mit der Kunst einlassen" muss. Denn durch die Kunst, so der Priester, "kommt etwas Kreatives in das Christentum".

Service

Dom- und Diözesanmuseum Wien

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Sendereihe

Playlist

Komponist/Komponistin: Karl Schiske/1916 - 1969
Titel: Bläserquintett für Flöte, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott op.24
* Gehend / 1.Satz (Cut 6) (00:06:13)
* Langsam / 2.Satz (Cut 7) (00:06:55)
* Schnell und lustig / 3.Satz (Cut 8) (00:05:52)
Ausführende: Wiener Bläserensemble
Ausführender/Ausführende: Dieter Flury /Flöte
Ausführender/Ausführende: Klaus Lienbacher /Oboe
Ausführender/Ausführende: Ernst Ottensamer /Klarinette
Ausführender/Ausführende: Fritz Pfeiffer /Horn
Ausführender/Ausführende: Josef Grabner /Fagott
Länge: 02:00 min
Label: EP MA, Doblinger

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