Da capo: Tonspuren

Der Schattensammler. Carl Djerassis allerletzte Autobiographie. Feature von Eva Schobel

Er hat Kunstwerke gesammelt, bevorzugt jene von Paul Klee, er hat Geliebte gesammelt, er hat Wohnsitze gesammelt, er hat Erfolge gesammelt und er hat verschiedene Leben gesammelt, eines spannender als das andere.
Aber in seiner "allerletzten Autobiographie", wie Carl Djerassi sein aktuelles Buch, das vor seinem 90. Geburtstag erschienen ist, nicht unironisch nennt, bezeichnet er sich vor allem als "Schattensammler." Carl Djerassi, berühmt geworden als "Mutter der Pille", hat seine vita als grenzüberschreitender Wissenschaftler seit vielen Jahren mit der des Schriftstellers vertauscht. Er ist stolz darauf, dazu beigetragen zu haben, dass Frauen ein sorgenfreieres Sexualleben genießen können, möchte aber nicht auf diese Rolle reduziert werden.
Als Schriftsteller kann er mit Distanz reflektieren, was ihm, neben allem Glück und Ruhm an Schicksalsschlägen widerfahren ist. Im Zentrum: Der Selbstmord seiner begabten Tochter und der Tod seiner um vieles jüngeren und geliebten Frau, Diane Middlebrook, einer legendären Biographin, um deren Werk er sich kümmert. Seit diesem Verlust behandelt er die täglich fortschreitende Krankheit "Einsamkeit" mit der selbstgefundenen Therapieform der "Autopsychoanalyse." Psychoanalytiker werden das womöglich nicht anerkennen, aber das kann Carl Djerassi nicht kümmern.

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