Louvre Paris

APA-Images/Action Press/Jeanne Accorsini

Punkt eins

Die vielen Baustellen im Pariser Louvre

Face-lifting für das größte Museum der Welt. Gäste: Prof. Dr. Sabine Haag, ehem. Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums Wien, Präsidentin der österreichischen Unesco-Kommission & Prof. Dr. Elisabeth Fritz, ehem. stellv. Direktorin am Deutschen Forum für Kunstgeschichte, Paris; Professorin für Kunstwissenschaft und Ästhetik an der Katholischen Privat-Universität Linz. Moderation: Alexander Musik. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at

Einen "Akt der Verantwortlichkeit" nannte Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron den Wunsch der Leiterin des Pariser Louvre, Laurence des Cars, sie von ihrem Posten zu entbinden: "Das größte Museum der Welt braucht nun Ruhe und neue, starke Impulse, um wichtige Sicherheits- und Modernisierungsprojekte durchzuführen", hieß es weiter aus dem Elysée.

Bereits einen Tag später, am 25. Februar, war ein Nachfolger gefunden: Der bisherige Direktor des Schlosses von Versailles, Christophe Leribault, soll den schlingernden Kunst-Tanker in ruhigere Fahrwasser führen.

Eine Woche vor dem Rücktritt des Cars' hatte eine parlamentarische Untersuchungskommission festgehalten, dass die Leitung des Louvre-Museums mitverantwortlich für den spektakulären Raub der Kronjuwelen am 19. Oktober vergangenen Jahres gewesen sei: "Es gibt eine Liste von Versäumnissen, die in anderen Ländern und Einrichtungen längst zu Rücktritten geführt hätten", so der Bericht.

Dabei hatte Laurence des Cars - die erste Frau an der Spitze des Louvre seit 1793 - bereits am Tag des Einbruchs am helllichten Tag ihren Rücktritt eingereicht. Doch Kulturministerin Rachida Dati lehnte ab. Somit musste die erfahrene Kunsthistorikerin und Museumsleiterin weitermachen und sich weiter mit vielen Baustellen - im wörtlichen wie im übertragenen Sinn - herumschlagen: Wasserschäden und Temperaturschwankungen zum Schaden der Exponate, unzufriedenes, überlastetes Personal, das immer wieder streikte, großangelegte Betrügereien beim Ticketverkauf. Und offenbar unzureichende Sicherheitsbestimmungen in dem Palast mitten in Paris mit seiner charakteristischen Glaspyramide am Eingang und dem berühmtesten aller Ausstellungsobjekte: die Mona Lisa.

"Das Museum ist eine Echokammer der Gesellschaft", zitiert der Zürcher "Tagesanzeiger" Laurence des Cars, die schon seit Amtsantritt 2021 auf den desolaten baulichen Zustand des Louvre hingewiesen habe: "Es reflektiert die Welt, die es umgibt. Der Louvre hat der Jugend viel zu sagen."

Und nicht nur die Jugend kam. 2024 besuchten 8,7 Millionen Besucher:innen den Louvre über einen Eingangsbereich, der nur für die Hälfte ausgelegt war. Nun soll sich alles ändern: Macron sprach - um große Worte nie verlegen - von einer "Nouvelle renaissance" für den Louvre. Im Zuge von großangelegten Umbauarbeiten soll bis 2031 nicht nur der Besucherandrang besser gelenkt werden, auch die Mona Lisa wird einen eigenen Saal erhalten, um Leonardo da Vincis berühmtes Gemälde besser zur Geltung zu bringen.

Doch wie führt man ein Museum mit einer Sammlung von 380.000 Objekten im Depot? Was zeigt man auf 72.735 Quadratmetern Ausstellungsfläche, wenn man einen Ruf wie der Louvre zu verteidigen hat, der wie kein zweites Museum in Frankreich für die Strahlkraft des französischen Kulturerbes steht?

Alexander Musik diskutiert mit Prof. Dr. Sabine Haag, der ehemaligen Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums Wien, und Prof. Dr. Elisabeth Fritz, der ehemaligen stellv. Direktorin am Deutschen Forum für Kunstgeschichte in Paris, über die programmatischen, sicherheitstechnischen und personellen Herausforderungen, Museen von der Größe des Pariser Louvre zu führen.

Wie immer sind Sie eingeladen mitzudiskutieren: Anrufe kostenlos aus ganz Österreich unter 0800 22 69 79; E-Mails an punkteins(at)orf.at

Erzählen Sie uns von Ihrem eindrucksvollsten Museumsbesuch, auch wenn das nicht notwendigerweise im Louvre war! Erinnern Sie sich an Ihren letzten Besuch im Louvre? Oder haben Sie ihn gemieden, um dem Massenandrang zu entgehen, der den Kunstgenuss trüben könnte?

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  • Alexander Musik