Frau und Mann besprechen etwas, Maschinenbau, Ingenieur

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Punkt eins

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit

Was die Lohntransparenzrichtlinie der EU bringen soll. Gäste: Sophie Achleitner, Ökonomin, Momentum Institut & Martina Ernst, Beraterin von Unternehmen, Organisationen und Berufstätigen in Gehalts- und Karrierefragen & Isabella Grabner, Leiterin des Departments für Strategie und Innovation, Wirtschaftsuniversität Wien. Moderation: Marlene Nowotny. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at

Die europäische Entgelttransparenzrichtlinie, die bis zum 7. Juni 2026 umgesetzt werden muss, zielt auf eine gerechte Entlohnung in größeren Unternehmen ab: Frauen und Männer sollen für gleiche oder gleichwertige Arbeit gleich entlohnt werden. Obwohl sich Österreich dieses Ziel bereits 1953 gesetzt hat, als es eine Konvention der Internationalen Arbeitsorganisation ILO unterzeichnete, ist die Lohnlücke zwischen Männer und Frauen hierzulande immer noch groß und mit 17,6 Prozent beim unbereinigten Gender-Pay-Gap größer als im EU-Durchschnitt. Ein Drittel dieses Gender-Pay-Gaps lässt sich strukturell erklären, für zwei Drittel dürften direkte und indirekte Diskriminierung verantwortlich sein.

Die EU- Entgelttransparenzrichtlinie soll nun dazu beitragen, diese Lohnlücke zu schließen und faire Bezahlung sicherzustellen - Gehaltsstrukturen müssen offengelegt, Lohnunterschiede zwischen Männer und Frauen sichtbar gemacht und ein umfassendes Auskunftsrecht für alle Beschäftigten eingeführt werden. Vorgaben, die von verschiedenen Standes- und Interessensvertretungen heimischer Unternehmen vehement kritisiert werden - die Wirtschaftskammer spricht von einem belasten hohen bürokratischen Aufwand, die Industriellenvereinigung argumentiert, dass Österreich eine Neidgesellschaft sei, die mit Transparenz nicht umgehen könne und die Kollektivverträge ohnehin für Gerechtigkeit sorgten.

Dass die Österreicherinnen und Österreicher tatsächlich "neidiger" als die Bevölkerungen anderer Nationen sind, wenn von (ungerechten) Gehaltsunterschieden die Rede ist, lässt sich durch Studiendaten nicht belegen. Ganz allgemein gilt: Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vergleichen sich durchaus mit den direkten Arbeitskollegen und ziehen auch den Kollektivvertrag als Vergleichswert heran, sie messen das eigene Einkommen aber nicht an jenem aus anderen Branchen oder in anderen Berufen. Stellt sich allerdings heraus, dass Menschen im eigenen Unternehmen weniger Lohn für die gleiche bzw. gleichwertige Arbeit bekommen, kann das zu großer Frustration führen, in einigen Fällen sogar dazu, das Unternehmen zu verlassen.

Dass die EU-Entgelttransparenzrichtlinie von Seiten der Wirtschaft und Industrie auf derart heftige Kritik stößt, kann etwa die Ökonomin Sophie Achleitner vom Momentum-Institut nicht nachvollziehen. Es gehe darum, Mindeststandards gegen unfaire Bezahlung zu schaffen und nicht um eine flächendeckende bürokratische Belastung der Wirtschaft, sagt Achleitner. Die Richtlinie sieht nämlich nur vor, dass Unternehmen mit 100 bis 250 Mitarbeitern alle drei Jahre und Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten jährlich einen Bericht über die Gehaltsunterschiede vorlegen müssen. Das heißt, nur zwei Prozent der Unternehmen sind von der Berichtspflicht betroffen, gleichzeitig schützt die Maßnahme 41,4 Prozent der Erwerbstätigen im Land vor Lohndiskriminierung.

Die Unternehmensberaterin Martin Ernst, akademische Leiterin an der WU Executive Academy, sieht auch große Vorteile für die Unternehmen und rät Arbeitgebern auch ohne rechtliche Vorgaben auf Transparenz zu setzen. Das erhöhe das Vertrauen der Erwerbstätigen und könne dazu beitragen, Gehaltsstrukturen zu schaffen, die motivieren und die Leistungsbereitschaft erhöhen. Wie die aufgebaut sein müssen, hat wiederum die Ökonomin Isabella Grabner an der Wirtschaftsuniversität Wien untersucht und zeigt: Individuell ausgestaltete Gehaltsschemata werden nur dann als fair akzeptiert, wenn die Leistungsunterschiede klar ersichtlich sind. Nur dann können sich Gehaltsunterschiede positiv auf die Leistung auswirken. Dazu zählen auch Prämien und Bonuszahlungen, die unabhängig vom Kollektivvertrag vergeben werden.

In Punkt eins sprechen Sophie Achleitner, Martina Ernst und Isabella Grabner mit Marlene Nowotny über faire Bezahlung, Gehaltstransparenz und wie die dazu beitragen kann, den Gender-Pay-Gap in Österreich zu schließen.

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