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Die Geschichte endet nicht am Bosporus
"Kleineurasien" und das Osmanische Erbe in Europa
Gestaltung: Johann Kneihs

Der Erste Weltkrieg zog einen Schlussstrich unter die gemeinsame Geschichte Südosteuropas und des Nahen Ostens. Schon in den Jahren und Jahrzehnten davor hatte das Osmanische Reich seine Gebiete am Balkan schrittweise verloren, vom griechischen Freiheitskampf über die Unabhängigkeit Rumäniens, Serbiens, Montenegros und Bulgariens 1878 bis zu den Balkankriegen 1912 und 1913. Welche Spuren hat die jahrhundertelange osmanische Herrschaft in Europa hinterlassen? Wie hat sie die Gesellschaft, politische Institutionen, soziale Beziehungen geprägt? Die Frage wird in Südosteuropa nicht immer gerne diskutiert - zur Identitätsfindung der jungen Staaten gehörte und gehört die demonstrative Abgrenzung von den dominierenden Großmächten, sei es das Osmanische Reich oder nach dem Zweiten Weltkrieg die Sowjetunion. Doch die gemeinsame Geschichte des Raums beginnt lange vor den Osmanischen Eroberungen. Der Historiker Karl Kaser prägt für die geschichtliche Region zwischen Donau und Tigris den Begriff "Kleineurasien". Hier habe rund zehntausend Jahre gemeinsamer Entwicklung stattgefunden, seien die Grundlagen dessen entstanden, was Jahrtausende später als typisch europäisch gelten sollte.

Service

Karl Kaser, "Balkan und Naher Osten. Einführung in eine gemeinsame Geschichte", Böhlau Verlag, Wien Köln Weimar 2011

Konrad Clewing und Oliver Jens Schmitt, "Geschichte Südosteuropas. Vom frühen Mittelalter bis zur Gegenwart", Pustet Verlag, Regensburg 2011

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