Logos - Theologie und Leben

"Der Papst, ein Sozialrevolutionär?" - Über den neuen Kirchenkurs von Papst Franziskus. Gestaltung: Johannes Kaup

Seit 13. März 2013 leitet der argentinische Jesuit Jorge Mario Bergoglio die Geschicke der römisch-katholischen Kirche. Alle Beobachter sind sich in einem einig: Dieser Papst hat ein neues Kapitel in der Kirchengeschichte aufgeschlagen. Er lebt und redet nicht nur anders als seine Vorgänger, er setzt auch andere Schwerpunkte. Papst Bergoglio rückt die Armen und Marginalisierten in den Mittelpunkt der kirchlichen Aufmerksamkeit. Seine erste Auslandsreise im Juli 2013 führte ihn in das Bootsflüchtlings-Lager auf der Mittelmeerinsel Lampedusa.

In seinem Lehrschreiben "Evangelii Gaudium" entfaltet Franziskus eine Kritik der gegenwärtigen freien Marktwirtschaft: "Diese Wirtschaft tötet." Gemäß "Gottes Gebot: Du sollst nicht töten" müsse die Kirche dem Grenzen setzen: Sie müsse "Nein sagen zu einer Wirtschaft der Ausschließung", "Nein zur neuen Vergötterung des Geldes", "Nein zu einem Geld, das regiert, statt zu dienen", "Nein zur sozialen Ungleichheit, die Gewalt hervorbringt". Es sei eine "Globalisierung der Gleichgültigkeit" entstanden, die unfähig mache zum Mitgefühl gegenüber dem Leiden anderer und zur Fürsorge. Die tiefste Ursache der gegenwärtigen Finanzkrise sei, dass die Vorherrschaft des Geldes akzeptiert und der Vorrang des Menschen geleugnet werde.

Diese systemkritischen Aussagen in dem Päpstlichen Lehrschreiben haben nicht nur Aufsehen erregt sondern auch zum Teil heftigen Widerspruch nicht nur seitens neoliberaler Denker hervorgerufen. Papst Bergoglio lässt es an Klarheit nicht fehlen: "Die eigenen Güter nicht mit den Armen zu teilen, bedeutet, diese zu bestehlen und ihnen das Leben zu entziehen. Die Güter, die wir besitzen, gehören nicht uns, sondern ihnen." - Ist dieser Papst ein Sozialrevolutionär? Wohin führt er die Kirche?

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