Gedanken für den Tag

von Christine Bauer-Jelinek, Wirtschaftscoach, Psychotherapeutin und Autorin. "Die geheimen Spielregeln der Macht". Gestaltung: Alexandra Mantler

Verdirbt Macht den Charakter?

Manchmal kann man den Eindruck bekommen, dass die Mächtigen mit ihrer Macht nicht richtig umgehen können. Viele halten ihre Versprechen nicht, sie verraten ihre Ideale, sie nutzen ihre Funktion und ihre Kontakte vor allem zu ihrem eigenen Vorteil. Der Volksmund sagt daher auch: "Macht verdirbt den Charakter." Und auf den ersten Blick könnte man dem durchaus zustimmen, denn viele waren, bevor sie mächtig wurden, soziale, ehrliche und vertrauenswürdige Personen. Doch auf den zweiten Blick verhält es sich wohl eher so, wie Abraham Lincoln meinte: "Willst Du den Charakter eines Menschen erkennen, so gib ihm Macht." Stärke zeigt sich erst in der Herausforderung, denn es ist wohl viel leichter ein guter Mensch zu sein, wenn man keinen großen Versuchungen ausgesetzt ist. Seien wir ehrlich, wer von uns kann seine Hand ins Feuer legen, wie er oder sie reagieren würde, wenn ein Koffer mit Geld, ein sexuelles Abenteuer oder die Anerkennung bedeutender Personen in Aussicht gestellt werden. Die meisten sind von ihrer Integrität überzeugt, doch viele werden schon bei kleinen Versuchungen schwach.

Aber nicht nur Verführungen gilt es zu meistern. Je mehr Macht man durch eine Position, durch Geld oder Wissen hat, umso mehr unterschiedliche Interessen muss man auch bedienen. Es gibt sogenannte Sachzwänge, Forderungen, die einander widersprechen oder größeren Schaden, der durch kleineren abgewendet werden muss. Und je weiter oben sich jemand befindet, umso weniger kann er oder sie mit andern darüber sprechen und wird von vielen, denen solche Situationen fremd sind, missverstanden und abgelehnt. Ein Glück, wer dann in einem Wertesystem, einem Glauben, Halt findet und dann noch ehrliche Freunde hat. Macht verdirbt nicht den Charakter, sie zeigt uns erst, wer wir wirklich sind.

Service

Buch, Christine Bauer-Jelinek, "Der falsche Feind. Schuld sind nicht die Männer", Verlag Ecowin
Buch, Christine Bauer-Jelinek, "Die geheimen Spielregeln der Macht", Verlag Ecowin
DVD, Christine Bauer-Jelinek, "Strategie. Macht. Erfolg", Verlag create.at

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Sendereihe

Playlist

Komponist/Komponistin: Johann Friedrich Fasch/1688 - 1758
Titel: Concerto für Chalumeau (Klarinette), Streicher, 2 Oboen, Fagott und B.c. in B-Dur
* Un poco allegro - 2.Satz (00:04:07)
Ausführende: Virtuosi Saxoniae
Leitung: Ludwig Güttler
Solist/Solistin: Hans Detlef Löchner /Klarinette
Länge: 02:10 min
Label: Capriccio 10218

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