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"Wir lernen denken." Zum Jubiläum "90 Jahre Radio": Wie die Amerikaner den Österreichern Demokratie beibrachten - die Rundfunkpolitik der USA. Feature von Eva Roither und Andreas Kloner

"Hier ist der österreichische Sender Rot-Weiß-Rot!" Mit diesen Worten eröffnete der amerikanische Generalmajor Walter M. Robertson am 6. Juni 1945 den Rundfunk in Salzburg und formulierte die Ziele der Besatzungsmacht folgendermaßen: "Möge dieses Medium dazu beitragen, die Österreicher zu einem gut unterrichteten Volk zu machen." Gut unterrichtet sein hieß: über den Lebensstil, die Institutionen und demokratischen Prinzipien der USA Bescheid zu wissen. In der wöchentlich ausgestrahlten Sendung "Wir lernen denken" etwa gaben die Amerikaner Kurse in Demokratie: "Was ist Pressefreiheit" und "Was machen wir mit den kleinen Nazis?", lauteten die Themen der ersten Folgen. Mit unterhaltenden Programmen wie "Amerika in Wort und Musik" oder "Die Stimme Amerikas" verfolgte man ebenfalls didaktische Ziele. Die österreichische Bevölkerung reagierte mit Skepsis, das "Salzburger Tagblatt" veröffentlichte eine Karikatur: Ein Mann sitzt vor dem Radioapparat und hört "Wir lernen denken". "Früher hatten wir's einfacher", hieß es in der Sprechblase, "da hat der Führer für uns gedacht."
In dem Feature erzählen ehemalige MitarbeiterInnen des Senders Rot-Weiß-Rot von ihren Erfahrungen, außerdem der erste von Amerika eingesetzte Radiochef Hans Cohrssen sowie der Amerikaner Walter Roberts und der US- Program-Officer Arthur Bardos. Zahlreiche Archivaufnahmen erzählen eine beeindruckende Radiogeschichte der Nachkriegszeit.

Ton: Martin Leitner
Redaktion: Peter Klein

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