Gedanken für den Tag
"Der Traum vom Frieden" - Joseph Lorenz, Schauspieler, liest Texte von Friedensnobelpreisträgern. Gestaltung: Alexandra Mantler
11. Dezember 2014, 06:56
Aus einer Predigt von Bischof Desmond Tutu in der Kathedrale von Southwark, London im Jahr 2004
Einmal hat mich ein Student gefragt: Wenn mir ein Wunsch gewährt würde, um eine Ungerechtigkeit zu revidieren, wie würde er lauten? Ich würde um zwei Wünsche bitten. Einer bestünde darin, die Führer dieser Welt zu bitten, die Schulden der Entwicklungsländer zu erlassen, durch die sie wie Leibeigene gehalten werden. Der zweite wäre, dass die Welt endlich aufhören solle, Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung zu verfolgen, was mindestens genauso ungerecht ist wie die Verbrechen gegen die Menschlichkeit und die Apartheid.
Es ist eine Sache der ganz normalen Gerechtigkeit. Wir haben in Südafrika gegen die Apartheid gekämpft, unterstützt von Menschen aus der ganzen Welt, weil wir als schwarze Menschen für etwas beschuldigt wurden und leiden mussten, gegen das wir nichts unternehmen konnten - unsere Hautfarbe. Das gleiche gilt für die sexuelle Orientierung. Sie ist vorgegeben. Ich hätte nicht gegen die Diskriminierung durch die Apartheid kämpfen können, ohne nicht zugleich gegen die Diskriminierung zu kämpfen, die Homosexuelle zu erleiden haben, auch in unseren Kirchen und Glaubensgemeinschaften.
Es ist aber auch eine Frage der Liebe. Jeder Mensch ist wertvoll. Wir sind alle - jeder von uns - Teil der Familie Gottes. Es muss uns allen erlaubt sein, uns gegenseitig in Würde zu lieben. Immer noch werden überall auf der Welt Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transsexuelle verfolgt. Wir lassen sie daran zweifeln, dass sie ebenfalls Kinder Gottes sind. Das kommt der äußersten Blasphemie nahe. Wir beschuldigen sie für das, was sie sind.
Der Jesus, den ich anbete, kollaboriert sicher nicht mit denjenigen, die eine bereits unterdrückte Minderheit diffamieren und verfolgen.
Die Kirchen sagen, dass die Art und Weise, wie die Liebe in einer heterosexuellen, monogamen Beziehung zum Ausdruck kommt, auch das Physische mit einbezieht - die Berührungen, Umarmungen, das Küssen, den Geschlechtsakt; die Ganzheit unserer Liebe lässt jeden von uns darin wachsen, zunehmend gottähnlicher und mitfühlender zu werden.
Wenn dies aber für die Heterosexuellen gilt, welche weltlichen Gründe können wir dann vorbringen, dass dies nicht auch bei Homosexuellen der Fall ist?
Service
Buch, Desmond Tutu, "Gott ist kein Christ", Patmos Verlag
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Sendereihe
Playlist
Komponist/Komponistin: Antonio Vivaldi/1678 - 1741
Titel: Konzert für Oboe und Streicher in a-moll, RV 461 < F.VII,5 >
* Allegro non molto - 1.Satz (00:03:41)
Solist/Solistin: Han de Vries /Oboe
Orchester: I Solisti di Zagreb
Länge: 02:00 min
Label: EMI CZS 25 2274 2
