Gedanken für den Tag

"Was werden die Tage bringen?!" - Die Schauspieler Inge Maux und Cornelius Obonya lesen Texte zum Jahreswechsel. Gestaltung: Alexandra Mantler

Alfred Polgar: Ein neues Jahr

Wie das kommende Jahr sich gestalten mag, das wissen nur die wenigsten, und die sagen es vernünftigerweise nicht. Wozu denn auch? Das Gute, das sie künden könnten, wird auch als Überraschung willkommen sein, und die Übel, die sie voraussagen, wüssten wir ja doch nicht abzuwenden; denn vermöchten wir's, so wäre ja der Prophet, der sie vorausgesagt hat, keiner gewesen. Viel Wahrscheinlichkeit hat immer die Voraussage für sich, dass das neue Jahr zwölf Monate währen, reich an Geburts- und Todestagen und, wenn es schön sein, dann Mühe und Arbeit sein wird. Eine bessere Prognose, dies lehrt die Erfahrung, können wir keinem Jahr stellen.

Oder weiß jemand eines zu nennen, von dem die Menschen sich schwer getrennt, zu dem sie gesprochen hätten: Verweile doch, du bist so schön!? Hat schon jemals einer in der Silvesternacht "Prost Alt-Jahr" gerufen? Man ist immer froh, dieses losgeworden zu sein, und erst wenn wiederum ein Jahr in Schmerzen vergangen ist, sieht man reuig ein, was man an dem vorhergegangenen gehabt hat. Ein und dasselbe Jahr hält man höchstens ein Jahr lang aus, keine Minute länger.

Service

Buch, Alfred Polgar, "Kleine Schriften. Band 2", Rowohlt Verlag

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Sendereihe

Playlist

Komponist/Komponistin: Arcangelo Corelli/1653 - 1713
Album: EIN WEIHNACHTSKONZERT
* Allegro - 4.Satz (00:01:52)
Titel: Concerto grosso fatto per la notte di Natale op.6 Nr.8 in g-moll
Leitung: Herbert von Karajan
Orchester: Berliner Philharmoniker
Länge: 02:20 min
Label: DG 4194132

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