Wiener Festwochen 2015 - Matinee

ORF Radio-Symphonieorchester Wien, Dirigent: Cornelius Meister; Wiener Singakademie; Ruth Ziesak, Sopran; Janina Baechle, Mezzosopran; Benjamin Bruns, Tenor; Günther Groissböck, Bass.
Anton Bruckner: Messe Nr. 3 f-Moll (aufgenommen am 23. Juni im Großen Konzerthaussaal in Wien; "37. Internationales Musikfest der Wiener Konzerthausgesellschaft" in Dolby Digital 5.1 Surround Sound). Präsentation: Johannes Leopold Mayer

"Wer das Lob singt, der lobt nicht nur, sondern er lobt fröhlich. Und er singt nicht nur, sondern liebt den, von welchem er singt."
Dieser Ausspruch des Hl. Augustinus (354-430) umschreibt aufs Schönste das Wesen kirchlicher Musik, die mehr ist als Vertonung von Glaubensworten, die ihre eigene erklärende Dimension hat.t ist. Im Laufe der Kirchengeschichte wurde die Frage nach dem Wie solcher Musik immer wieder gestellt und von der Kunst wie von der Theologie beantwortet. Die Gotteswissenschaft geriet oft in einen Notstand, weil sie künstlerische Entwicklungen denkerisch nicht in den Griff bekam. So findet der Streit um die hochkomplizierte spätmittelalterliche Polyphonie à la Josquin des Prés seine Parallele im 19. Jahrhundert. Da formierte sich eine rigorose Gruppe, welche in die Kulturgeschichte als "Ceacilianismus" einging. Die dort vereinigten, wenig herausragenden Komponisten beriefen sich in ihrem langweiligen Purismus auf Palestrina, dessen Stil als Ausdruck einer nicht näher definierten Reinheit missverstehend. Folglich war Bruckner mit seinen Messen jener künstlerischen Ideologiegemeinschaft ein Gräuel. Sein groß besetztes Orchester, ekstatische Chorsätze und die Bereitschaft, Begriffe wie "Himmel" und "heilig" als Dissonanzballungen evident zu machen, führten dazu, dass das "Credo" seiner f-Moll-Messe eine "christliche Wolfsschlucht" genannt wurde, wo - wie im "Freischütz" - der Böse selbst verwirrend am Werk ist.
Es tut sich in diesem Ordinarium in der Tat mehr als schön-reine Musik. Bruckner fordert Aufmerksamkeit - vom lieben Gott selbst, ihm mit jedem Bekenntnissatz Überraschungen bereitend: mit Schlichtheit und atemberaubender Kontrapunktik und in einer insistierenden Generalreprise beim "dona nobis pacem", wo sich das ganze Material der Messe nochmals vor Gott ausbreitet, als Beweis des standhaften Glaubens.
Eine Messe hat Bruckner nach dem f-Moll-Werk nicht mehr komponiert. Die in Konzilien und Papstdekrete erfüllten Wünsche der Liturgik, welche die Musik nicht in deren autonomer Bedeutung für den Gottesdienst begreifen wollte.
Das ist der Grund, warum der "né croyant" Olivier Messiaen sich der gottesdienstlichen Musik fast ganz entzog. Den Ritus überließ er jenen, gegen die sich ein Wehren nicht lohnte. Jedoch gemäß eigenem Wort hat er sehr wohl liturgische Musik geschrieben: Dort, wo sein so gemeintes Werk erklingt, findet Liturgie statt. Demgemäß ist der Orchesterzyklus über die Himmelfahrt Jesu eine liturgische Feier dieses Ereignisses. Und wie sehr bestätigt dieses Werk, dessen Sätze Freude und Würde beschwören, das Wort des Augustinus! Messiaens Lob "singt die Freude" - und die ist nach des Komponisten Überzeugung "un secret d'amour".

Service

Diese Sendung wird in Dolby Digital 5.1 Surround Sound übertragen. Die volle Surround-Qualität erleben Sie, wenn Sie Ö1 unter "OE1DD" über einen digitalen Satelliten-Receiver und eine mehrkanalfähige Audioanlage hören.

Playlist

Komponist/Komponistin: Anton Bruckner
Titel: Messe Nr. 3 f-moll
* Kyrie
* Gloria
* Credo
* Sanctus
* Benedictus
* Agnus dei
Chor: Wiener Singakademie
Choreinstudierung: Heinz Ferlesc
Solist/Solistin: Ruth Ziesak/Sopran
Solist/Solistin: Janina Baechle/Alt
Solist/Solistin: Benjamin Bruns/Tenor
Solist/Solistin: Günther Groissböck/Baß
Orchester: ORF Radio-Symphonieorchester Wien
Leitung: Cornelius Meister
Länge: 63:19 min
Label: Musikwissensch. Verlag/LEIH.

Sendereihe