WIENER STAATSOPER/RUIZ CRUZ
Opernabend - Aus der Wiener Staatsoper
Wolfgang Amadeus Mozart: "La Clemenza di Tito"
Mit Katleho Mokhoabane (Tito), Hanna-Elisabeth Müller (Vitellia), Florina Ilie (Servilia), Emily D'Angelo (Sesto), Cecilia Molinari (Annio) und Matheus Franca (Publio)
Chor und Orchester der Wiener Staatsoper; Dirigent: Pablo Heras-Casado
(aufgenommen am 09. und 12. März 2026 in der Wiener Staatsoper, in 5.1 Surround Sound)
14. März 2026, 19:30
In den Jahren nach Mozarts Tod gehörte die Oper "La Clemenza di Tito" / "Die Milde des Titus", oder auch einfach nur "Titus" genannt, zu den vielgespielten Werken des Komponisten. Das Werk war zwar weitgehend nach der "Zauberflöte" entstanden, aber es hat schon vor der deutschen Oper im September 1791 in Prag seine Uraufführung erlebt. Im Verlauf der Zeit ist dieses Werk immer mehr von den Spielplänen verschwunden, auch in der Gegenwart kommt es eher punktuell als kontinuierlich zur Aufführung. Man hat dies auf verschiedene Art zu erklären versucht: zum einem mit dem Argument, dass Mozart nur die Musiknummern komponiert habe, nicht aber die Rezitative, die höchstwahrscheinlich von Mozarts Schüler Franz Xaver Süßmayr stammen, deshalb dem Werk der große Bogen fehle. Zum anderen hat man das Faktum ins Feld geführt, dass die Form der Opera seria zur Entstehungszeit des Werkes längst überkommen war. Der Komponist hatte zwar das starre Schema dieser Opernform aufgelockert, indem er den elf Arien in seria-untypischer Art die gleiche Anzahl an Ensemble-Nummern gegenübergestellt hat, doch trotz der geschickten Einrichtung des Textbuches durch Caterino Tommaso Mazzolà war die Grundlage des Werkes doch ein altes Opernbuch von Pietro Metastasio; 1734 war es erstmals von Antonio Caldara in Musik gesetzt worden - und sehr lange ist die Liste der "Titus"-Opern, die danach abseits des Mozart Werkes auf dieses alte Buch zurückgegriffen haben. Johann Adolf Hasse, Georg Christoph Wagneseil, Christoph Willibald Gluck, Baldassare Galuppi und Pasquale Anfossi - um nur einige wenige zu nennen, haben Opern nach dem "Titus"-Textbuch von Metastasio geschrieben.
Nachdem der zuerst angefragte Antonio Salieri wegen Arbeitsüberlastung abgesagt hatte, hatte Mitte Juli 1791 Mozart der Auftrag erreicht, eine Festoper zur Krönung Kaiser Leopolds II. zum böhmischen König zu schreiben - und als Sujet war ihm eben das schon zuvor vielfach vertonte Libretto bestimmt worden. Da es sich der notorisch finanzschwache Komponist nicht leisten konnte, den Auftrag abzulehnen, schrieb er das Werk angeblich in Rekordzeit. Allerdings dürften die oft kolportieren 18 Tage keineswegs stimmen, die Musikforschung geht mittlerweile von rund 50 Tagen der Kompositionszeit aus, auch nicht gerade viel für ein Werk mit 27 Nummern inklusive der Ouvertüre. Mitte August 1791 ist Mozart nach Prag gereist, um selbst die Uraufführung zu dirigieren, doch das Publikum, gewillt, den beliebten Komponisten mit Jubel zu überschütten, hielt sich dieses Mal eher zurück. Nach den drei da Ponte-Opern voller Esprit und Sozial-Kritik hatte man von Mozart etwas anderes erwartet als eine antiquierte Verherrlichung des gütigen, weisen und humanistisch geprägten Herrschers - ungeachtet ungemein wirkungsstarker und raffiniert verfasster Perlen in der Partitur.
Service
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