Leporello

Ausstellung "Komm mit nach Terezin. Musik in Theresienstadt 1941-´45" in Wien

Die Soziologin und Historikerin Lisa Fischer und die Dramaturgin Susanne Thomasberger haben sich einem schwierigen Kapitel der Musikgeschichte gewidmet: Musik im Konzentrationslager Theresienstadt. Es wurde 1941 eingerichtet, von den mehr als 140.000 Gefangenen überlebten die wenigsten. Besonders zynisch an diesem sogenannten Vorzeigelager war das Kulturprogramm, mit dem die Nazis versuchten der Welt Menschenfreundlichkeit vorzutäuschen. Im Lager wurde gemalt, gezeichnet, getanzt, hier wurden Sinfonien und Oratorien einstudiert, hier entstand auch, als heimliche Lagerhymne, der Theresienstädter Marsch. Sein Schöpfer Karel Svenk wurde auf dem Transport nach Mauthausen noch im April 1945 ermordet.

Die Nazis prägten den Begriff "Entartete Musik". EntArteOpera heißt ein Verein, der sich seit 2012 dieser verpönten, verfemten Musik annimmt. Leiterin Susanne Thomasberger gestaltete die Ausstellung "Komm mit nach Terezin. Musik in Theresienstadt 1941-45", die heute in der Wiener Akademie am Schillerplatz eröffnet wird. Als Rahmenprogramm wurden drei Konzerte im Muth, dem Konzertsaal der Wiener Sängerknaben, organisiert.

Daher bietet die Ausstellung in der Aula der Akademie am Schillerplatz Hörstationen zu den Ghetto Swingers des Coco Schumann, zur Kinderoper Brundibar oder zu Ilse Weber. Die Schriftstellerin und Krankenschwester dichtete und sang für die Kinder im Lager, bevor sie 1944 in Auschwitz-Birkenau ermordet wurde. Ilse Webers Kinderreime fassen das Grauen der KZs in Verse.

Das dritte Begleit-Konzert im Muth bringt auch Musik von Viktor Ullmann.
Historikerin Lisa Fischer sprich über den österreichischen Komponisten, der in 25 Monaten Lagerhaft fast ebenso viele Werke komponiert hat. Ullmann wurde 1944 in Auschwitz durch Vergasung ermordet.

Als Ehrengast der Ausstellungseröffnung wird Helga Pollak Kinsky erwartet. Die Holocaust-Überlebende war als junges Mädchen in Theresienstadt, und schrieb in ihr Tagebuch: Ich möchte in das Klavier hineinschlüpfen. Da drinnen ist Musik und hier draußen ist das Gefängnis.- Gestaltung: Irene Suchy


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DI | 11 August 2015