Betrifft: Geschichte

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Niemals vergessen - Simon Wiesenthal. Mit Brigitte Bailer, ehemalige Leiterin des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes.
Gestaltung: Rosemarie Burgstaller und Robert Weichinger

Unmittelbar nach seiner Befreiung aus dem Konzentrationslager Mauthausen bei Linz durch US-Truppen am 5. Mai 1945 nahm Simon Wiesenthal eine Aufgabe wahr, die fortan sein ganzes Leben bestimmte und ihn zu einem ebenso polarisierenden wie wichtigen Protagonisten der österreichischen Nachkriegsgeschichte werden ließ: Die pausenlose Fahndung nach NS-Täter/innen war begleitet von seinem unermüdlichen Bemühen, die Verbrechen des Nationalsozialismus im öffentlichen Bewusstsein präsent zu halten.

Noch 1945 initiierte der 1908 in Buczacz, Galizien, geborene, ausgebildete Architekt mit anderen Verfolgten das "Jüdische Komitee der US-Zone Oberösterreichs" und im Jahr 1947 das "Zentrum für jüdische historische Dokumentation" in Linz. Auf umfassende Weise wurden Zeug/innenaussagen protokolliert und mit dem Aufbau einer Täter/innenkartei begonnen. 1961, im Jahr des Gerichtsprozesses gegen den in Argentinien aufgespürten Nazi-Verbrecher Adolf Eichmann, begründete Simon Wiesenthal in Wien das "Dokumentationszentrum des Bundes Jüdischer Verfolgter des Naziregimes". Auf Basis von privaten Spenden setzte er hier bis in das Jahr 2003 seine Arbeit gegen juristische, politische und moralische Verantwortungslosigkeiten fort. So erreichte er 1965 das Aufheben der Verjährungsfrist von NS-Verbrechen in Österreich und vorläufig in Deutschland (1979 aufgehoben) und kritisierte in den 1970er Jahren medienwirksam die Beteiligung ehemaliger NSDAP-Mitglieder an der österreichischen Bundesregierung unter Bruno Kreisky.

Zu den bekanntesten von ihm aufgespürten NS-Tätern zählen neben Eichmann der KZ-Kommandant Franz Stangl, der als "Schlächter von Wilna" bezeichnete Franz Murer und Karl Silberbauer, welcher 1944 Anne Frank und ihre Familie im Amsterdamer Versteck verhaftet hatte. Wiesenthals Praxis war mitunter unorthodox und von zahlreichen selbst zu verantwortenden Rückschlägen begleitet, auch die Zusammenarbeit mit den israelischen Behörden und dessen Geheimdienst gestaltete sich nicht immer friktionsfrei. Wiesenthal, der stets "Recht, nicht Rache" gefordert hatte, wurde zu einer Symbolfigur gegen das Vergessen des Holocaust. Bis zuletzt war er Ziel antisemitischer Anfeindungen. Simon Wiesenthal verstarb am 20. September 2005 im Alter von 96 Jahren.

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