Radiogeschichten

"Klarissas Geschichte". Von Ljudmila Petruschewskaja. Aus dem Russischen von Antje Leetz. Es liest Brigitte Karner. Gestaltung: Stefanie Zussner

Klarissa rief bis zu ihrem siebzehnten Lebensjahr bei niemandem Begeisterung oder Interesse hervor. Obwohl sie sich anders hätte entwickeln können, ging in ihrem letzten Schuljahr eine Veränderung in ihr vor: die Veränderung zu einer willensschwachen jungen Frau, die sich durch äußere Umstände bestimmen lässt. Nach einer kurzen Ehe in einer Fernbeziehung und einer Ehe mit einem Trinker und Streit um das gemeinsame Kind beginnt sich Klarissa still und heimlich neu zu orientieren. Mit einer neuen Beziehung wendet sich doch noch alles zum Guten und Klarissas Leben stabilisiert sich.

Die 1938 in Moskau geborene Schriftstellerin Ljudmila Petruschweskaja studierte Journalistik und arbeitete für Hörfunk und Fernsehen sowie für Zeitungen und eine Literaturzeitschrift. Ihre Erzählungen wurden nach Schwierigkeiten mit der sowjetischen Zensur im illegalen Selbstverlag "Samizdat" verbreitet und machten sie zu einer der populärsten Autorinnen des russischen Undergrounds. In den 1970er-Jahren machte Petruschweskaja eine weltweite Karriere als Dramatikerin und erhielt zahlreiche Preise wie den Puschkinpreis (2003) oder 2010 den World Fantasy Award. In ihren Erzählungen im meist typischen lakonischen Stil ist Ljudmila Petruschewskaja immer Chronistin und Soziologin zugleich, erhebt sich aber nie über ihre Figuren und versteht es, die Balance zwischen Distanziertheit und Zuwendung zu halten. Mittlerweile sind ihre Erzählungen in mehr als 30 Sprachen erschienen.

Service

Ljudmila Petruschewskaja, "Klarissas Geschichte" aus "Sie begegneten sich, wie das so vorkommt, beim Schlangestehen in der Bierbar. Russische Liebesgeschichten",
aus dem Russischen von Antje Leetz, Bloomsbury Verlag, 2012

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