Flüchtlingsfrau im Rollstuhl

AFP/LOUISA GOULIAMAKI

Flucht mit Behinderung

Aktuell befinden sich weltweit mehr als 65 Millionen Menschen auf der Flucht, geschätzte zehn Millionen haben eine Behinderung.
- Gestaltung: Christoph Dirnbacher und Sandra Knopp

Für Menschen mit Behinderung ist Flucht besonders beschwerlich und gefährlich. Die 16-jährige Rollstuhlfahrerin Nujeen Mustafa aus Syrien und ihre Familie stellten sich vor der Überfahrt von der Türkei nach Griechenland etwa folgende Frage: Soll man den klapprigen Rollstuhl mitnehmen oder ihn über Bord werfen? Denn das Gewicht des Gefährts hätte für das wackelige und überfüllte Schlauchboot zu viel sein können. Die Fluchtroute führt Nujeen und ihre Schwester im Jahr 2015 über die sogenannte Balkanroute auch an den Grenzübergang im steirischen Spielfeld. Asylantrag stellen sie in Österreich aber keinen. Sie haben ein anderes Ziel.

Im Sommer und Herbst 2015 ist das Erstaufnahmezentrum Traiskirchen vollkommen überfüllt. Die "Flüchtlingskrise" dominiert wochenlang die heimischen Medien. Aus dem damaligen Engpass wurden Lehren gezogen: Die Verteilung der AsylwerberInnen wurde neu strukturiert. Nach Meinung mehrere NGOs ist aber am heimischen Asylsystem noch einiges zu verbessern. Eine Herausforderung ist die barrierefreie Unterbringung.

"Oftmals wird gar nicht geglaubt, dass Menschen mit Behinderungen überhaupt flüchten können", sagt Johanna Mang, Leiterin der Hilfsorganisation Licht für die Welt. Unter Flüchtlinge mit Behinderung fallen auch jene, deren Beeinträchtigung nicht auf den ersten Blick sichtbar ist: so etwa Epilepsie oder ein seelisches Trauma. Wer über Flüchtlinge mit Behinderung berichtet, darf aber nicht auf die globale Dimension vergessen. Europa ist nur ein Schauplatz unter vielen, die Hotspots sind beispielsweise die Türkei, Pakistan und der Libanon. Doch wie inklusiv kann ein Flüchtlingscamp tatsächlich sein?

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