Die Angst vor Kortison

Warum fürchten sich so viele Menschen vor Kortison - Mit Recht?!


Kortison ist eines der bekanntesten Medikamente und wahrscheinlich das gefürchtetste. Doch wie berechtigt sind die Ängste vor einer Kortisontherapie tatsächlich?

Eines ist unbestritten: Kortison als Medikament rettet Leben. Zum Beispiel bei einem allergischen Schock oder einem akuten Asthmaanfall. Aufgrund seiner rasch einsetzenden und breiten Wirkung kommt Kortison bei einer Vielzahl von Erkrankungen zum Einsatz. Dazu zählen vor allem Autoimmunerkrankungen wie beispielsweise rheumatoide Arthritis, Multiple Sklerose, entzündliche Darmerkrankungen, Neurodermitis und viele Hauterkrankungen. Der Einsatz bei Kindern ist bereits ab dem Säuglingsalter möglich.

Tausendsassa Cortisol

Das als Medikament verwendete synthetische Glukokortikoid "Kortison" wie auch das natürliche Cortisol gehört zu den Steroidhormonen, die in der Nebennierenrinde gebildet werden. Gesteuert wird diese Hormonbildung über das adrenocortikotrope Hormon (ACTH) der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse). Glukokortikoide wirken antientzündlich, immunsuppressiv und greifen in viele Stoffwechselvorgänge ein, wie etwa in die Blutzuckerregulation, den Knochen-, Fettgewebe- und Eiweißstoffwechsel. In Stresssituationen wird Cortisol vermehrt freigesetzt.

Rasche Hilfe bei Entzündung

Vor allem bei akuten Entzündungen ist Kortison bis heute alternativlos. Bei der rheumatoiden Arthritis beispielsweise kommt es zu schweren Gelenksentzündungen, die bis zur Zerstörung der Gelenke führen. Bis die Langzeitmedikamente, die gegen rheumatoide Arthritis helfen, wirken, dauert es allerdings einige Wochen. Hier führt Kortison zu einem raschen Rückgang der Entzündung - zu einem Abschwellen der Gelenke und zur Schmerzlinderung.

Lange Liste von Nebenwirkungen …

Bei einer Kortisonbehandlung über wenige Tage ist kaum mit Nebenwirkungen zu rechnen. Zudem wirken lokal angewendete oder inhalierte Kortisone weniger auf den gesamten Organismus. Gefährlich sind größere Mengen Kortison über längere Zeit verabreicht. Dann muss es auch langsam reduziert - "ausgeschlichen" - werden, um die mittlerweile stillgelegte Nebenniere wieder anzukurbeln.
Die Liste der möglichen Nebenwirkungen ist lang. Zu den wichtigsten und gefürchteten zählen Osteoporose, Entwicklung oder Verschlechterung eines Diabetes, Gewichtszunahme und Ausdünnung der Haut (Pergamenthaut). Sogar Wesensveränderungen und Psychosen können auftreten. Bei Kindern kann es zu Wachstumsstörungen kommen.

… und nicht nur graue Theorie

Allerdings kann Nebenwirkungen vorgebeugt werden: Beispielsweise mit der Gabe von Osteoporose-Medikamenten, Kalzium und Vitamin D, Blutzucker- und Blutdruckkontrollen sowie möglichst viel Bewegung.
Dennoch gibt es, so unser Sendungsgast Univ.-Doz. Dr. Stefan Pilz, viele Betroffene, die aufgrund einer (nicht begründbaren) Langzeiteinnahme von Kortison mit Knochenbrüchen, neu aufgetretenem Diabetes und grünem oder grauem Star an der Uniklinik Graz landen.

Neue Entwicklungen am Horizont

Die gute Nachricht: Moderne Kortisone sind nebenwirkungsärmer. Zudem tauchen am Horizont bereits neue Entwicklungen auf: die sogenannten selektiven Glukokortikoid-Rezeptor-Agonisten (SEGRAs) - also kortisonähnliche Medikamente, bei denen die Nebenwirkungen hintangehalten werden sollen.
Die Devise für eine sichere und angstfreie Anwendung von Kortison lautet schlussendlich: Kortison so niedrig dosiert wie möglich und so kurz wie notwendig einnehmen, umfassende Aufklärung der Betroffenen und vor allem auch richtige Einnahme der Medikamente.

Reden auch Sie mit! Wir sind gespannt auf Ihre Fragen und Anregungen. Unsere Nummer: 0800/22 69 79, kostenlos aus ganz Österreich.

Haben Sie schon Erfahrung mit einer Kortisontherapie gemacht?
Wurden Sie vor der Behandlung mit Kortison ausreichend aufgeklärt?
Hat Ihr Kind Asthma oder Neurodermitis und wurde mit Kortison behandelt?
Haben Sie die Nebenwirkungen einer Kortisontherapie erlebt?
Hätten Sie Angst vor einer Behandlung mit Kortison?
Kennen Sie jemanden, der unangenehme Erfahrungen mit einer Kortisonbehandlung gemacht hat?

Moderation: Univ.-Prof. Dr. Manfred Götz
Sendungsvorbereitung: Dr.in Michaela Steiner
Redaktion: Dr. Christoph Leprich

Service

Dr.in Daniela Kasparek
FÄ für Kinder- und Jugendheilkunde, Zusatzfach Pädiatrische Pneumologie
Kinderarztpraxis
Thaliastraße 102-104/1/2
A-1160 Wien
Tel. +43/(0)1/4931947
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Ordination Dr. Kasparek

Priv.-Doz. Dr. Daniel Aletaha
FA für Innere Medizin und Rheumatologie
Klinische Abteilung für Rheumatologie
Universitätsklinik für Innere Medizin III
MedUni/AKH Wien
Währinger Gürtel 18-20
A-1090 Wien
Tel. +43/(0)1/40400-43000
E-Mail
Uniklinik für Innere Medizin III

Assoz.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Stefan Pilz, PhD
FA für Innere Medizin und für Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen
Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie
Universitätsklinik für Innere Medizin
MedUni Graz
Auenbruggerplatz 15
A-8036 Graz
Tel. +43/(0)316/385-12383
E-Mail
Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie

Österreichische Gesellschaft für Endokrinologie und Stoffwechsel (ÖGES)
Österreichische Gesellschaft für Rheumatologie & Rehabilitation (ÖGR)
Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ)
St.-Elisabeth-Hospital Meerbusch-Lank: Cortison
Gesundheit.gv.at: Kortikoide
ÄrzteZeitung: Kortikosteroide: Das sind die häufigsten Nebenwirkungen
gesundheit.de: Kortison (Cortison)
Frankfurter Allgemeine: Fatale Spritzen
NetDoktor: Kortisontherapie bei CED
derStandard.at: Was Cortison alles kann
MedMix: Glucocorticoide in der Rheumatologie
NetDoktor: Keine Angst vor Kortison
Gesundheitsstadt Berlin: Kortisontherapie: Welches sind die häufigsten Nebenwirkungen bei Kindern?

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