Ramadan in Ägypten, Girlanden

AP/AMR NABIL

Nermin Ismail über Ramadan in Ägypten

Die Journalistin Nermin Ismail erinnert sich mitten im muslimischen Fastenmonat Ramadan an jene Erlebnisse, die sie in der ursprünglichen Heimat ihrer Eltern, in Ägypten, hatte, als sie dort den Ramadan begangen hat. - Gestaltung: Alexandra Mantler

Ramadan ist eine seltene Blume, die einmal im Jahr erblüht. In dem Moment, in dem man beginnt, ihren süßen Geruch wahrzunehmen, verschwindet sie wieder - für ein Jahr. Ramadan ist ein Gast, der sich selten blicken lässt und, wenn er mal da ist, freut man sich über die Ehre, ihn erleben zu dürfen. So versteht man diesen Monat in Ägypten. Das Zusammenkommen mit der Familie und den Freunden, die man von Jahr zu Jahr sieht, macht sehr viel aus. Es ist eine Zeit, in der andere Dinge zur Priorität werden, wie Familie und Gemeinschaft.

In Kairo herrscht eigentlich Ausnahmezustand. Alles richtet sich nach diesem Monat. Die Arbeitszeiten werden verlagert, manche Leute nehmen sich auch frei. Doch nicht jeder kann sich das leisten. Theoretisch wäre ich vom Fasten befreit, da ich auf Reise bin. Aber wenn man schon den Ramadan hier erlebt, will man sich diese einzigartige Stimmung nicht entgehen lassen und möchte sie in vollen Zügen genießen.

Kurz vor Maghrib, vor Sonnenuntergang, sind die Straßen leer. Die wenigen, die noch unterwegs sind, machen sich auf dem Weg nach Hause. Nicht nur alle, die fasten, auch jene, die es nicht tun. Wer Kairos Straßen kennt, würde sie so nicht mehr wiedererkennen. Da wo sonst hunderte Menschen sind - keine Menschenseele. Mein Vater meinte, es sei wie früher, als die Straßen Kairos noch so schön und leer waren. Vor den unterschiedlichen Moscheen versammeln sich Menschen. Große Tische werden aufgestellt, Menschen rennen rein und raus mit großen, schweren Töpfen.

Mawa'eed al Rahman nennt man das, zu Deutsch: Die Tische des Barmherzigen. All jene, die nicht eingeladen sind, keine Familien haben, mit denen sie essen können oder kein Geld haben, sind willkommen. Auch jene, die all dies haben, aber dieses gemeinschaftliche Gefühl erfahren wollen, setzen sich dazu. Ich war einmal mit meinem Vater da. Alt und Jung, Reich und Arm, aus der Stadt und vom Land. - Alle Menschen kommen hier zusammen. Sie reichen einander Datteln, Wasser und Brot. Es ist eine faszinierende Stimmung. Alles drum herum still, wie erstarrt. Und vor der Moschee, rund 100 Menschen an einem Tisch. Alles Unbekannte aber doch so Vertraute.

Wenn in Kairo abends das Fasten zu Ende geht, ertönt ein lauter Kanonendonner. Wenig später schallt der Klang des Gebetsrufes, des Muezzins, durch die Stadt der tausend Minarette. Manchmal liegen Sekunden dazwischen, bis der nächste Muezzin zu Rufen beginnt. Man hört die Vögel zwitschern und die Menschen leise Bittgebete aussprechen. Ich sitze hier und überlege: Was will ich aus dem nächsten Tag machen?

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Playlist

Komponist/Komponistin: Hans Zimmer/geb.1957
Bearbeiter/Bearbeiterin: Bruce L. Fowler
Gesamttitel: THE PRINCE OF EGYPT / Original Filmmusik
Titel: Rally/instr. (tw. 2x gespielt)
Anderer Gesamttitel: DER PRINZ VON ÄGYPTEN / Original Filmmusik
Dirigenten:
Leitung: Gavin Greenaway
Leitung: Harry Gregson Williams
Leitung: Rupert Gregson Williams
Orchester: Filmorchester
Länge: 00:43 min
Label: DreamWorks DRD 50041

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