Handabdrücke auf einer Holzoberfläche

ORF/JOSEPH SCHIMMER

Be-Greifen der Welt - der Tastsinn

Tastsinn und Berührung
Eindrücke von den 37. Goldegger Dialogen
Gestaltung: Katrin Mackowski

Mit dem Tastsinn lässt sich begreifen, fühlen, verstehen. Ohne ihn könnte der Mensch kein Gefühl für Raum und Zeit entwickeln, weder stehen noch gehen. Tastsinn und Berührung sind zudem taktile Fähigkeiten, über die sich auch das Denken und Fantasieren gestaltet. Über das Taktile, das sinnliche Be-Greifen der Welt, erschließt sich die Beziehung zu Dingen, zum anderen und zu sich selbst. Und doch spielt das Sehen - und damit das Auge, die größte Rolle in der Hierarchie der Sinne. Erst dann folgen Hören, Riechen und Schmecken.

Tatsächlich ist aber der Tastsinn mit dem Kontaktorgan, der Hautoberfläche, der Wichtigste im Gefüge der Sinne. Der Embryo entwickelt ihn noch vor den anderen Sinnen in der achten Schwangerschaftswoche, und es entstehen erste wichtige räumliche Erfahrungen an der Gebärmutterwand und über die Nabelschnur.

Der Neurowissenschafter Joachim Bauer ist Gastreferent bei den "Goldegger Dialogen" und reflektiert Körper-Gefühle des Tastsinns und das Gedächtnis des Körpers. Das so genannte "Haut-Ich" und frühste Erfahrungen mit der Haut, spielen schließlich für die sexuelle Entwicklung, für unbewusste wie bewusste Beziehungen und die Liebesfähigkeit des Menschen, eine entscheidende Rolle.

Auch Kultur-Geschichten wie Ovids "Metamorphosen" zeigen, dass Tastsinn und Berührung entscheidende Indikatoren für Verlebendigung und Entwicklung des Subjektes sind. Davon erzählt der Pygmalion-Mythos. Kulturtechniken beruhen zwar auch darauf, Erfahrungen und Welt-Verständnis in Distanz zu bringen, der Soziologe Hartmut Rosa weist aber immer wieder auf die subjektive, direkt sinnliche Erfahrung des Menschen hin, aus der sich Tastsinn und Berührung auch als soziale Phänomene darstellen lassen.

Ein Salzburger Nachtstudio von Katrin Mackowski

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