Umweltverschmutzung: Kohlewerk mit Fahrzeugen

DAVID VISNJIC

Radiokolleg - Brüssel und Balkan

Neue EU-Mitglieder am Horizont (2). Gestaltung: Tanja Malle

Der Balkan im Jahr 2018: Im kleinen Örtchen Kalinovik, im serbischen Teil von Bosnien-Herzegowina, haben die Einwohner unlängst das Porträt von Ratko Mladic auf eine Wand an der Ortseinfahrt gepinselt. Der verurteilte Kriegsverbrecher wird in seinem Geburtsort als Held gefeiert. Mit der Nachkriegsgerechtigkeit und der gesellschaftlichen Aufarbeitung der jugoslawischen Zerfallskriege geht es am Balkan nur schleppend voran.

Rund 400km südöstlich von Kalinovik, in der geteilten Stadt Mitrovica im Kosovo, ist die berühmte Iber-Brücke, die den serbischen und den albanischen Stadtteil verbinden soll, nach wie vor für den Verkehr gesperrt. Zahlreiche ungelöste Grenzfragen prägen die Region noch immer.
In Mazedonien, dem Nachbar des Kosovo, waren die Proteste gegen den autoritären Staatsmann Nikola Gruevski erfolgreich - er musste abdanken.

Ganz anders als sein montenegrinischer Kollege Milo Djukanovic, der sich seit 1991 an der Spitze Montenegros hält - abwechselnd als Präsident und als Premier. Nicht nur Montenegro, sondern auch Serbien, attestieren Kritiker, dass sich die beiden Länder langsam in illiberale Demokratien wandeln. Besonders kritisiert wird in den EU-Erweiterungsberichten vor allem die Übernahme des Staates für Privatinteressen durch politische Parteien, sowie deren Einflussnahme auf die Medien und auf die Justiz.

Dennoch: Geht es nach der EU, könnten Serbien und Montenegro bereits 2025 der Europäischen Union beitreten. "Ermunterungsdatum", nannte das der EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Und: Die offiziellen Verhandlungsgespräche mit Mazedonien und Albanien könnten bereits in diesem Sommer beginnen, wenn Österreich den EU-Ratsvorsitz Inne hat. In den Westbalkanländern leben rund 18 Millionen Menschen. Zum Vergleich: In den 28 Mitgliedsstaaten der EU sind es 512 Millionen.

Allerdings: Die Hausaufgaben, die Albanien, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Montenegro, Mazedonien und der Kosovo zu erledigen haben, sind laut EU-Befund beträchtlich. Sie beinhalten unter anderem den Kampf gegen Korruption, das Lösen komplexer Grenzfragen und eine positive wirtschaftliche Entwicklung. Die EU will in den kommenden Jahren verstärkt in den Balkan investieren, man engagiert sich wieder intensiver - auch, um der globalen Konkurrenz zuvor zu kommen.
Denn Russland, die Türkei, die Arabischen Emirate und China sind ebenfalls zunehmend in der Region aktiv - politisch und wirtschaftlich.

Das Ö1-Radiokolleg unternimmt einen Streifzug durch den Westbalkan und geht außerdem der Frage nach, wie eine mögliche baldige EU-Erweiterung in den derzeitigen EU-Mitgliedsländern betrachtet wird.

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