Fischer am Hafen, Neapel

AP/ALEXANDER ZEMLIANICHENKO

Neapel Babel

Die Musiker Pino Daniele, Enzo Avitabile, Peppe Servillo und James Senese
Feature von Christina Höfferer

Pino Daniele. Bei ihm laufen seit den 1970er Jahren alle Fäden zusammen. Der Sänger, Komponist und Musiker revolutionierte die neapolitanische Musik. Napoli Centrale heißt die Band, in welcher Pino Daniele mit vielen seiner neapolitanischen Musiker Kollegen zunächst auftrat. Die vier Musikerkarrieren von Pino Daniele, James Senese, Peppe Servillo und Enzo Avitabile entstanden während der gemeinsamen Jahre von Napoli Centrale. Dann gingen die vier eigene Wege, doch immer wieder spielten sie im Laufe der Jahre gemeinsam.

Das Feature zeichnet die Wege der drei Musiker ausgehend von Napoli Centrale, welches auch der Name des Hauptbahnhofs von Neapel ist, zu zeigen. Pino Daniele machte die größte Karriere. Nach seinem plötzlichen Tod in Folge eines Herzversagens am 4. Januar 2015 war "Pino Daniele" laut Google der meistgesuchte Begriff in Italien. James Senese, 1945 als Sohn eines amerikanischen GI und einer Neapolitanerin geboren, ist bei seinen Wurzeln geblieben, er lebt in Neapel und tourt mit seinen Songs. Der zehn Jahre jüngere Enzo Avitabile hat sich der Weltmusik zugewendet. "Das letzte Stück È ancora tiempo, welches ich mit Pino Daniele auf neapolitanisch gesungen habe, ist ein Mantra, minimalistisch, ein Moment großer Reife in der Musik," sinniert Enzo Avitabile. "Pino und ich waren wie Brüder," betont James Senese, "wir erzählten einander all unsere geheimen Leidenschaften, und auch alle unsere Sünden".

Pino Daniele wurde 1955 als erstes von sechs Kindern eines Hafenarbeiters geboren. Seine Familie lebte dicht gedrängt in einem Basso, einer dunklen Erdgeschoß-Wohnung, typisch für Neapel. Von dort stieg er zu einem internationalen Star auf, indem er aus seinen neapolitanischen Wurzeln einen ganz neuen musikalischen Stil entwickelte. Pino Danieles Kompositionen bringen spielerisch Tarantella und Blues zusammen, er vertonte das Lebensgefühl der kampanischen Hauptstadt, die alle aufnimmt, die alles schon gesehen hat, und die sich immer wieder neu erfindet.

Peppe Servillo wirkt ernst und streng, doch wenn er lacht, versprüht er den einnehmenden Charme eines Spitzbuben. Sein Ausdruck wechselt von einem Moment auf den anderen, das hat ihn zu einem der faszinierendsten Performer Italiens gemacht: "Unser Wunsch ist es, das neapolitanische Repertoire neu zu erforschen. Wir wollen die Tradition mit der Moderne verbinden und dieses Repertoire einem neuen, jungen Publikum vorstellen". "Wir versuchen in Neapel Gutes zu tun," sagt James Senese, "wir wollen zu verstehen geben, welches die richtigen Gefühle sind, denen es nachzugehen gilt, um nicht dem Weg des Teufels zu folgen, sondern jenem des Göttlichen".

Technik: Fridolin Stolz
Redaktion: Elisabeth Stratka

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