Stimmen hören
Lieder-Dialoge im Wandel
Brahms und Vaughan Williams, Strauss und von Einem, Blacher und Henze
16. Juli 2026, 14:05
Gibt es eine subtilere, eng gefassten Klangraum dichter füllende, "brahmsischere" Klangmischung als die, die Johannes Brahms in seinen beiden "Bratschenliedern" op.91 gefunden hat? "Gestillte Sehnsucht" und "Wiegenlied": die klavierbegleitete Mezzosopranistin im Dialog und zugleich eins mit dem Streichinstrument? Solche Mixturen haben nicht Schule gemacht, aber sie finden sich in der jüngeren Musikgeschichte doch immer wieder, bis hin zu den Kompositionen, die in den 1950er, 60er Jahren für das Sopran-Geigen-Paar Irmgard Seefried-Wolfgang Schneiderhan entstanden. (Von Frank Martin bis Hans Werner Henze.) Zu den Lieder-Raritäten bei Richard Strauss gehört das (auch als Orchesterlied vorliegende) "Notturno" aus 1899, nach Richard Dehmel und sehr morbide, in dem dem Baritonsolisten vom Tod mit der Violine aufgespielt wird. Boris Blacher, heute noch bekannt als der Lehrer von Gottfried von Einem, taucht in "Francesca da Rimini" für Sopran und Violine in Dantes "Divina commedia" ein (aufgenommen von Catherine Malfitano und ihrem Vater Joseph!), Ralph Vaughan Williams ist im ident besetzten Liederzyklus "Along the Field" ganz sein nachdenklich durch die Natur streifendes, britisch-pastorales Selbst.
Sendereihe
Gestaltung
- Chris Tina Tengel
