Dostojewski auf einem Buchcover

C.H. BECK

Das Religiöse bei Fjodor Dostojewskij

"Die Dämonen und der Großinquisitor". Über den Propheten der totalitären Bewegungen des 20. Jahrhunderts. - Gestaltung: Gudrun Braunsperger

Ohne die Themen Gott, Glaube und die Suche nach dem wahren Christentum wäre das Werk des russischen Schriftstellers Fjodor Michajlowitsch Dostojewskij nicht vorstellbar. Das Ringen um den Glauben an Gott begleitet den russischen Schriftsteller ein Leben lang, aber auch der Zweifel lässt ihn nicht los. Beides hat in zahlreichen Variationen in seinem gewaltigen Romanwerk einen Niederschlag gefunden.

Die Legende vom Großinquisitor aus den "Brüdern Karamasow", in der erzählt wird, wie Christus zur Zeit der spanischen Inquisition auf die Erde zurückkehrt und vom Großinquisitor "im Namen Christi" auf den Scheiterhaufen gebracht werden soll, ist zu einem Mythos der Moderne geworden. Hier wie auch an anderer Stelle geht es Dostojewskij um die Frage, welche Berechtigung Religion hat, wenn sie dazu missbraucht wird, weltliche Macht zu legitimieren.

Die Kehrseite dieser Diskreditierung von Religion ist der Gottesverlust. In seinem Roman "Die Dämonen" zeigt der Petersburger Romancier eine Gesellschaft zwischen Agnostizismus und Atheismus, deren nihilistische Grundhaltung geradewegs in den Terrorismus führt. In Dostojewskij hat man den Propheten der totalitären Bewegungen des 20. Jahrhunderts gesehen.

In seiner soeben erschienenen Biografie zeigt der Slawist Andreas Guski, dass die gesellschaftspolitische Diagnose dieses Autors des 19. Jahrhunderts in seinem literarischen Befund über die Moderne auch im 21. Jahrhundert immer noch verblüffend aktuell ist. "Bewiese mir jemand, dass Christus jenseits der Wahrheit steht, und stünde die Wahrheit tatsächlich außerhalb von Christus, dann möchte ich lieber mit Christus sein als mit der Wahrheit": Dostojewskijs paradoxem Credo auf den Grund zu gehen, das ist eine Lesereise wert.

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Buch, Andreas Guski, "Dostojewskij. Eine Biographie", Verlag C. H. Beck

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