Zeichnungen mit Geist

Nicolas Mahler: Liessmann für Analphabeten und erotische Gedichte

Comiczeichner Nicolas Mahler hat sich - nach Marcel Proust, Robert Musil und Thomas Bernhard - einmal mehr mit leichter Feder einem Schwergewicht der Geisteswelt genähert. Mit Witz und scheinbar ohne allzu großen Respekt hat er die Texte des Philosophen Konrad Paul Liessmanns durchforstet, in kleine Portionen zerlegt, mit Zeichnungen versehen und als handliches Bändchen bei Zsolnay herausgebracht. Ein Sakrileg der besonders perfiden Art. "Die kleine Unbildung. Liessmann für Analphabeten" heißt Mahlers jüngstes Werk. Es enthält ausgewählte Aphorismen des Philosophen. Mahlers Illustrationen gehen kongenial mit diesen einher.

Um sein Hirn zu durchlüften, wechselt Mahler aber auch immer wieder die Genres. Einmal interessiert ihn die Philosophie, dann ist es ein Gebrauchstext aus dem Alltag. Es sind schlicht Texte, die den Zeichner faszinieren, wobei es ihm zu-nächst nicht einmal um Inhalt oder Thema geht. Wörter an sich sind es, die Mahler liebt, hegt und pflegt. "solar plexy" heißt der zeitgleich mit "Liessmann für Analphabeten" bei Luftschacht erschienene Band mit erotischen Gedichten. Darin befindet sich etwa ein Leserbrief an "sexy hexy". Mahler montierte daraus ein Gedicht und gab ihm den poetischen Titel "Wer sind die Mädchen?" Aus einem anderen Erotikmagazin hat Mahler eine Kafka-Paraphrase erschaffen.

Nicolas Mahler bezeichnet sich selbst gern als Witzezeichner. Was passiert eigentlich beim Witzezeichen mit dem Schöpfer? Und was macht der Witz mit dem Betrachter? Nichts Großes, so der Meister der Verkleinerung, aber doch ist das Ziel nicht gering zu schätzen.- Gestaltung: Christa Eder

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